CREATING ALTERNATIVES ADDENDUM
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„CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI
ADDENDUM “CREATING ALTERNATIVES” Ein Projekt von „THEATER OF EMPOWERMENT Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI [2007-2009]
„Globalisierung ist die Bezeichnung für einen weltumspannenden Prozess der beschleunigten Gefüges der Erde. Er erfuhr seine weltweite Ausdehnung bereits zu Beginn der Neuzeit (Kolonialisierung), führte zu immer katastrophaleren globalen Auswirkungen im 20. Jahrhundert und erlebt derzeit seine förmliche Überstürzung. Hauptmerkmale des Globalisierungsprozesses sind 1.) seine bewusste politische Herbeiführung (Neoliberalismus, Globalisierungspolitik) und 2.) seine aktuell entfesselte "Verselbständigung" (Zauberlehrlingseffekt), die oft als alternativlose "Naturgesetzlichkeit" erscheint oder ausgegeben wird (TINA - There is no Alternative - Syndrom).“ - Claudia von Werlhof. "Globalisierungswü(s)ten und Zivilisationspolitik"
„Nur wenige Jahre vor der Bildung der schwarz-blauen Koalition war es im Jahr 1997 zu einer grundlegenden Reform des österreichischen Migrationsrechts gekommen. Das am 1.Jänner 1998 in Kraft getretene so genannte „Integrationspaket“ beinhaltete ein neues Fremdenrecht, eine Reform des Ausländerbeschäftigungsgesetzes und ein neues Asylrecht. Im aufenthaltsrechtlichen Bereich brachte das Paket eine Stärkung der Rechtsstellung von länger als acht Jahren im Land lebenden Nicht- UnionsbürgerInnen und verschlechterte die Stellung der kürzer im Land lebenden MigrantInnen1, indem für erstere sowie für in Österreich geborene Kinder von MigrantInnen eine Abschiebung ins Ausland verunmöglicht wurde, letztere bei längere Arbeitslosigkeit jedoch ihr Aufenthaltsrecht verlieren konnten. Die Familienzusammenführung wurde auf Ehegatten und Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr beschränkt, gleichzeitig aber der Zugang von Familienangehörigen zum Arbeitsmarkt erleichtert. Das Paket senkte die Einwanderungsquote von 17.320 auf 8.660 Personen pro Jahr, wobei vor allem die Zahl der Familiennachzugsberechtigungen stark gekürzt wurde, und führte den Status des „Saisonniers“ – einer befristeten Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung ohne Option für Daueraufenthalt – für die Landwirtschaft und die Tourismuswirtschaft ein. Das ebenso im Jahr 1998 reformierte Staatsbürgerschaftsgesetz erschwerte die Einbürgerung vor einer Aufenthaltsdauer von 10 Jahren und strich die Bedeutung der Integration – vor allem bezogen auf Deutschkenntnisse – als zentrales Kriterium hervor. [...] „War die Migrations- und Integrationspolitik des Kabinetts Schüssel I vor allem von einer Fortsetzung der von der Großen Koalition ererbten Paradigmen, der Ausweitung der Saisonbeschäftigung und einer weitgehend symbolischen Politik in Hinblick auf verpflichtenden Spracherwerb charakterisiert, ist die Politik des Kabinetts Schüssel II durch eine deutlich restriktivere Handschrift gekennzeichnet. Bei der Neukodifizierung des gesamten Fremden- und Staatsbürgerschaftsrechts seit 2005 überwiegt ein restriktiver Zugang, insbesondere durch die Einschränkung der Neuzuwanderung und der Einschränkungen beim Zugang zum sicheren Niederlassungsstatus. Der generelle Scheineheverdacht bei Hochzeiten von ÖsterreicherInnen mit Drittstaatsangehörigen, die verlängerten Wartefristen, die erhöhten Kosten für die Einbürgerung sowie die Ermöglichung der Abschiebung von im Land geborenen und aufgewachsenen Angehörigen der „Zweiten Generation“ zeigen deutlich, dass Zuwanderung nunmehr vor allem unter dem Aspekt der Gefährdung der inneren Sicherheit gesehen wird und EinwanderInnen nicht besonders willkommen sind. Verbesserungen in der Stellung der MigrantInnen beruhten in den letzten fünf Jahren fast ausschließlich auf EU-rechtlichen Vorgaben. Auch die engagierten Ansätze in manchen Bundesländern können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Migrationspolitik des Bundes heute vor allem sicherheitspolitische Züge trägt und Integration im Sinne einer rechtlichen und faktischen Gleichstellung von EinwanderInnen kein vorrangiges politisches Ziel der Bundesregierung ist.“ - Bernhard Perchinig, Einwanderungs- und Integrationspolitik, In: Emmerich Talos (Hg.) Fünf Jahre Schwarz-Blau. Eine Bilanz des „Neu-Regieren“. Münster (Litt-Verlag), Juni 2006 „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 4 1. Arbeitsmethode & Theorien - Kurzübersicht A. Theatrale Methoden „Six Viewpoints" ist eine Kompositionsmethode, die sich aus dem postmodernen Tanz herleitet und ein neues System für Schauspiel, performative Komposition und Regiearbeit darstellt. Grundelemente ("Blickwinkel") der Performance werden dekonstruiert, analysiert und danach sukzessive wieder zusammengesetzt/aufgebaut: Raum, Zeit, Form, Bewegung, Emotion, Geschichte (narrative). Die Trainingsmethode „Viewpoints“ ist geeignet für TänzerInnen, ChoreografInnen, Performance KünstlerInnen, SchauspielerInnen und RegisseurInnen mit Schwerpunkt experimentelles&interaktives Theater. „Viewpoints is a philosophy translated into a technique f0r (1) training performers, (2) building ensemble; and (3) creating movement for stage. Viewpoints is a set of names given to certain principles of movement though time and space; these names constitute a language for talking about what happens onstage. Viewpoints is points of awareness that a performer or creator makes us of while working.” – Anne Bogart/Tina Landau (2005) Theatrale Kommunikation Von Geburt an spielen wir und das Theaterspiel entwickelt sich natürlich aus dem Spielen in unserer Kindheit. Viola Spolin, die alle wichtigen Improvisationstheater in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst hat, baute ihre Theorie und Praxis auf diese einfache Erkenntnis auf, die sie auf Das Spiel im Theater übertrug. Sie entwickelte über 200 Theaterspiele – von Orientierungs-, Konzentrations- und Erinnerungsübungen zu Sensibilisierungs-, Vertrauensund Beobachtungsspielen -, die sich für Profis wie auch für Kinder und Jugendliche, sowie wie Randgruppen und Laien aller Art eigenen. Ihre Praktiken werden seit Jahrzehnten erfolgreich von Theaterschaffenden, Therapeuten, Ärzten und Freizeitpädagogen verwendet. Keith Johnston, der Erfinder des „Theatersports“, leitete seine Praxis als Theatertrainer und Regisseur von der Wiederentdeckung des verschütteten kindlichen Denkens ab, das imstande ist, den sperrigen Intellekt auszuschalten. Seine Methode „Theatersport“ ist nicht nur Spielanleitung und Arbeitstechnik sondern auch eine Art Therapie zur Wiederentdeckung der Fantasie des Kinderspiels in der Alltagswelt der Erwachsenen. Es gleicht einer Roadmap zum eigenen Unbewussten und stellt ein Training für das imaginative Überleben dar. Dutzende, vor allem junge Theatergruppen der Gegenwart, entdecken die Disziplin „Theatersport“ für ihre Praxis und bereichern sie um ihre Erfahrung. Forum- und Erzähltheater Augusto Boal (* 1931 in Rio de Janeiro, Brasilien) ist ein brasilianischer Regisseur, Theaterautor und -theoretiker. Er ist der Erfinder der Theaterformen „Theater der Unterdrückten“, „Forumtheater“ und „Unsichtbares Theater“. Sein Motto lautet: „Schluss mit einem Theater, das die Realität nur interpretiert; es ist an der Zeit, sie zu verändern!“ Augusto Boal, dessen Vorbilder u. a. Bertolt Brecht und Konstantin Stanislawski sind, geht es um eine Veränderung der Realität durch Theater, um Lösungen sozialer Probleme, sowie einer Demokratisierung der Politik durch Theater (Politisches Theater). Die konkreten Experimente, die Boal anlässlich des „Theaters der Welt“ 1979 in Hamburg mit deutschen Schauspielern veranstaltete, sind zwar nicht als Methode, aber in der Sache gescheitert. Boal, der in den 70er-Jahren vor einer brutalen und menschenverachtenden Militärdiktatur in Brasilien geflohen war, konnte zwar die Technik des „unsichtbaren Theaters“ 1:1 nach Europa übertragen, nicht aber den erhofften aufklärerischen Zweck erzielen. In den Diskussionen, die auf die Experimente folgten, räumte Boal wörtlich ein, dass „die Unterdrückungsmechanismen in Deutschland viel zu subtil sind, um durch das ‚unsichtbare „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 5 Theater‘ sichtbar gemacht zu werden.“ Die UNESCO zeichnete Boal im Jahre 1994 für seine Arbeit mit der Pablo-Picasso-Medaille aus und die Universität Nebraska verlieh ihm 1996 gemeinsam mit Paulo Freire die Ehrendoktorwürde. Das „Theater der Unterdrückten“ wurde von der UNESCO als "Method of Social Change" anerkannt. Aktuell wurde die Internationale Organisation des Theater der Unterdrückten ITO gegründet, deren Präsident er ist. Jerzy Grotowskis „River“-Arbeit (nach Stephen Wangh, USA) Jerzy Grotowski (* 11. November 1933 in Rzeszów, Polen; † 14. Januar 1999 in Pontedera, Italien) war ein polnischer Regisseur und Theatertheoretiker. Er gilt als einer der führenden Vertreter der Theateravantgarde des 20. Jahrhunderts. Grotowski wollte ein von allem Überfluss des Theaterapparats (des „reichen Theaters“) gereinigtes Zurückbesinnen auf den Urgrund der Schauspielkunst erreichen. Dabei versucht er den Schauspieler zu enthemmen, seine Physis zu lockern, seine Psyche aufzureißen und ihm „seine Maske zu nehmen“, sodass der Schauspieler dem Publikum, das er zu „Zeugen“ erhebt, quasi „nackt“ gegenüber tritt. Dabei benutzt er ein hartes körperliches und psychisches Training, weil er vom Schauspieler ein „Sich-Überschreiten“ verlangt, sowie der genauen Analyse der einzelnen Prozesse durch Spezialwissenschaften. „Der Schauspieler ist zumindest in seiner Rolle Schöpfer, Modell und Schöpfung in einem“, so Grotowski. Diesem Anspruch entspricht die Arbeits- und Lebensform seines Ensembles: freiwilliger Verzicht auf materielle Güter, sektenartiges Zusammenleben, kollektive Erfindung und ein hohes Ethos. 1975 vollzog Grotowski den einschneidendsten Schritt in seiner Entwicklung: er wandte sich von Theater im Sinne einer Aufführung konsequent ab und vollführte nur noch so genannte „Special Projects“, also paratheatralische Experimente und Selbsterfahrungspraktika, in denen die Teilnehmer auf unerwartete Aufgaben und Situationen gestoßen werden und die meist über mehrere Tage in freier Natur gingen. Stephen Wangh studied with Jerzy Growtowski in 1967. He is a playwright, lyricist and director. He was Associate Writer of the Tectonic Theater Company's Emmy nominated show The Laramie Project, and one of the writers of The People’s Temple, winner of the Glickman Award for Best Play in the Bay Area, 2005. Other plays include Class, Calamity! and Goin' Downtown, as well as numerous collaborative theater pieces. Since 1973 he has taught acting in Europe, Boston and New York, and Boulder Colorado, where he is currently Visiting Faculty in the Theater MFA in Contemporary Performance. His book on physical acting technique, „An Acrobat of the Heart” was published by Vintage Books (Random House) in 2000. “What is a physical approach to acting? Konstantin Stanislavski's early research into acting technique led him to develop many inner, psychological and memory-centered exercises. But later in his career, Stanislavski concentrated much more on physical action. In the 1960's Jerzy Grotowski built upon this late work of Stanislavski's. At the Polish Laboratory Theater, Grotowski experimented with mime, with Meyerhold's biomechanics and with Asian theater exercises. But he felt that these practices tended to impose an ‚artificial system of signs’ upon the actor, so Grotowski sought to develop a more organic approach. He searched for exercises to help actors overcome their own individual acting limitations. The working methods he developed were not ‘techniques’ but rather forms designed to help an actor to uncover the emotional truths locked within his or her own muscular memory and physical impulses. My book ‘An Acrobat of the Heart’ combines a study of Grotwoski's plastique and corporel exercises with work drawn from Kristin Linklater, Spolin Theater Games, and other sources to lead acting students on a journey from basic physical training exercises to scene and character work.” – Stephen Wangh (siehe http://homepages.nyu.edu/~sw1/) „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 6 Straßentheater Als Straßentheater werden Formen des Theaters bezeichnet, die im öffentlichen und urbanen Raum stattfinden. Anders als das herkömmliche Theater, ist es keine Veranstaltung für Eliten, sondern richtet sich direkt an alle Menschen. Deswegen wird es vornehmlich, wie sein Name impliziert, auf Straßen gespielt, aber auch auf Plätzen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Parks oder an Häuserfassaden oder auf Bäumen, in großen Städten wie in Dörfern oder in psychiatrischen Anstalten mit den Patienten. Das Straßentheater kommt teilweise ohne ein herkömmliches, begrenztes Repertoire aus und verlässt sich auf die kreativen Kräfte, die durch Improvisation hervorgerufen werden. Dadurch, dass sich die auftretenden Künstler unter freiem Himmel erst einmal Aufmerksamkeit verschaffen müssen, sind viele Straßentheaterstücke sehr spektakulär angelegt, z. B. durch Stelzenläufer, Fackeln oder Musik. Allerdings gibt es sich manchmal auch nicht als Theateraufführung zu erkennen! Das Straßentheater hat seine Ursprünge im Arbeitertheater, das zur Zeit der Sozialistengesetze in Deutschland (1879 bis 1890) entstand, sowie im kommunistisch geprägten Agitprop-Theater der Russischen Revolution. Straßentheater wurde verstanden als Kultur von unten. Es hatte proletarische Wurzeln und verfolgte damals meist politische Ziele, teilweise wurde offen Wahlwerbung für bestimmte Parteien des linken Spektrums betrieben. Aufführungsorte waren z. B. Fabriktore, um die Arbeiterschaft direkt anzusprechen. Führender Vertreter eines Arbeitertheaters in Deutschland war Erwin Piscator, der 1920/21 in Berlin das Proletarische Theater gründete, ein Theater nur für Arbeiter, das allerdings von der offiziellen Kulturpolitik der KPD abgelehnt wurde. Als er später wie viele andere Künstler vor der Naziherrschaft fliehen musste, gründete er nach Umwegen über die Sowjetunion und Paris in New York den Dramatic Workshop an der School for Social Research. Dort unterrichtete er z. B. auch Judith Malina und Julian Beck, die 1947 das Living Theatre gründen sollten! In vielen Ländern Mitteleuropas fanden zu Anfang der 60er Jahre die ersten Happenings statt, eine Kunstform, die durch die Verbindung von Theater und Bildender Kunst entstand (Joseph Beuys u. a.). Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Straßentheater wiederentdeckt und erfreute sich in Nord-, Mittel- und Südamerika und in Mittel- und Südeuropa sowie in Skandinavien, aber auch in Polen bis zum Ausrufen des Kriegsrechtes 1981, das ein Versammlungsverbot beinhaltete, als Form politischer Bewusstmachung, zur Lösung von Konflikten wie auch zur Unterhaltung größerer Beliebtheit. Damals waren es vor allem Theatergruppen wie das Living Theatre, das aus den USA nach Europa, später nach Brasilien gezogen war, der Jord Circus (Earth Circus) aus Schweden (gegründet von Chris Torch, einem früheren Mitglied des Living Theatre), das Odin Teatret aus Dänemark (gegründet in Oslo von Eugenio Barba, einem Schüler Grotowskis), die San Francisco Mime Troupe (die sich als „Guerillatheater“ verstanden), The New York Street Theatre Caravan oder das von dem Deutschen Peter Schumann gegründete New Yorker Bread and Puppet Theatre aus den USA, die auch in Deutschland auftraten und das Straßentheater als Form des (politischen) Kampfes besonders in der so genannten „Sponti-Szene“ populär machten. Zur selben Zeit wurde auch der polnische Regisseur und Theatertheoretiker Jerzy Grotowski und sein „armes Theater“ (wieder)entdeckt. Gleichzeitig erinnerten sich Gruppen und Künstler an die italienische Commedia dell'arte und es fanden Jonglieren und andere Zirkuskünste immer mehr Zuspruch und eroberten die Fußgängerzonen. Heute hat sich das Straßentheater zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt, die z. B. durch neue Raumkonzepte und mehr „Einbeziehung des Zuschauers“ auch die etablierten Bühnen stark beeinflusst hat. Von kurzen Spielszenen und Animationen über Figuren- und Objekttheater, Stelzentheater, Performance, zirzensischen Darbietungen bis hin zu spektakulären Großinszenierungen finden sich viele Ausdrucksformen des Theaters im öffentlichen Raum wieder. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 7 B. Soziologisch, pädagogisch und therapeutisch fundierte Methoden Neue Arbeit Neue Kultur Frithjof Bergmann, geboren in Sachsen, verbrachte seine Kindheit in Österreich und emigrierte später in die USA Amerika. Wie viele Einwanderer schlug er sich in sog. „odd jobs“ durch, lebte fast 2 Jahre lang als absoluter Selbstversorger auf dem Land, studierte Philosophie und lehrt seit 1978 Philosophie, später auch Anthropologie an der University of Michigan, Ann Arbor. Ende der 70er Jahre unternahm er viele Reisen in die ehem. Ostblockländer. Dort begann durch die Erkenntnis, dass der Kommunismus keine Zukunft mehr hat, seine Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und die Idee, ein funktionierendes Gegenmodell zu entwickeln: Die Anfänge der Bewegung der Neuen Arbeit (New Work). 1984 gründet Bergmann zusammen mit General Motors das erste Zentrum für Neue Arbeit in der Automobilstadt Flint in Michigan. Seitdem sind einige solcher Zentren in verschiedenen Ländern entstanden. Zur Zeit berät er die südafrikanische Regierung, um die Idee der Neuen Arbeit in Südafrika umzusetzen. Frithjof Bergmann hat erkannt, dass viele Arbeiten im Bereich der Lohnarbeit wie eine "milde Krankheit" sind. Diese Sinnkrise vieler Menschen wird von Bergmann aufgegriffen. Bergmann macht sich Gedanken wozu Arbeit da ist. Er stellt fest, dass das System der Lohnarbeit (gerade erst ca. 200 Jahre alt) Arbeitsplätze limitiert. Tatsächlich aber ist Arbeit unendlich! Bergmann sieht die Ausweglosigkeit sämtlicher derzeit aktuellen globalen Probleme in dem Mangel eines alternativen Systems zum Wirtschaftsliberalismus. In Wahrheit erkennen viele in unserer Gesellschaft die Probleme des Systems, doch welchen Ausweg soll man nehmen? Die Gesellschaft rast wie ein Zug auf den Abgrund zu, und das einzige Konzept der Politik scheint zu sein: mehr Wachstum und noch mehr Beschleunigung. Die Arbeit, die man wirklich, wirklich tun will! Nach der Kritik stellt Bergmann ein echtes Alternativkonzept vor. Dieses Konzept sieht vor, dass man nicht mehr die Arbeitsportionen fremder Lohngeber bearbeitet, sondern in einem ersten Schritt erkennt, was man "wirklich, wirklich tun will." In unserer traditionslosen Zeit ist die Arbeit, die man "wirklich, wirklich tun will" eine realistische Chance Sinnhaftigkeit und Lebenslust, ja sogar Transzendenz zu erfahren. Seit 25 Jahren engagiert sich der Philosophieprofessor aktiv an Neue Arbeit Projekten auf der ganzen Welt. Das Ziel ist es eine echte Alternative zum Lohnarbeitssystem zu schaffen und durch die Selbstbestimmung der Arbeit einen Neue Kultur zu schaffen: frei von Zwängen, frei von Fremdbestimmung und dadurch frei von Terrorismus (jeglicher Form). Eines der vielfältigen Konzepte ist, dass wir durch die sog. „High-Tech Eigen- Produktion“ die Güter für unser Leben selbst herstellen. Automatisierung macht normale Arbeitsplätze überflüssig und durch die Technik können wir die meisten Dinge selbst herstellen: von Mode über Handies bis hin zu Laptops und Autos. (s. auch: „Neue Arbeit, Neue Kultur“, 2004, „Die Freiheit Leben“, 2005) Open Space Open Space (von Harrison Owen, USA, Mitte der achtziger Jahre entwickelt) ist eine Konferenz für Großgruppen nach dem Selbstorganisationsprinzip. Zu dem vom Veranstalter gestellten Leitthema entwickeln die Teilnehmerinnen selbst die Inhalte. Es gibt daher kein von vornherein fixes Programm. Die Tagesordnung wird in einem Forum gemeinsam entwickelt. Neben dem Symposiumsleitthema tragen speziell eingeladene Impulsgeberinnen wesentlich zum Profil der Veranstaltung bei. In einem Open space Symposium wollen wir sowohl die „Älteren", die ihren großen Erfahrungsschatz zu dem Thema mitbringen, ehren, und auch den ,.Jüngeren" Raum geben ihre Energie und Kreativität im Interesse des Ganzen einzubringen. Die Autonomie jeder Teilnehmerin, jedes Teilnehmers und jeder Workshop - Gruppe und die Verantwortung für das Ganze und die Gemeinschaft sind die beiden Pole, zwischen denen das Grundgesetz des Open Space, „Das Gesetz der zwei Füße" wirksam wird. Alle Teilnehmerinnen sind eingeladen, im Bewusstsein dieser beiden Pole diesem Gesetz zu folgen und sich die Freiheit nehmen, Workshops oder' Vorträge auch zwischendurch wieder zu verlassen, neue aufsuchen, eine Pause zu machen oder zu tun „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 8 oder zu lassen, wozu sonst man/frau gerade geführt wird. 4 Leitlinien dienen dazu, die Teilnehmerinnen an die Einzigartigkeit des Open Space Prozesses zu erinnern: • Die da sind, sind genau die Richtigen. • Was immer auch geschieht, es ist das Einzige, was geschehen kann. • Es fängt an, wenn die Zeit reif ist. • Vorbei ist vorbei. (siehe: www.7generationen.at 7 Generationen Netzwerk, Dr. Markus Distelberger, Internationales und interkulturelles Forschungs- Bildungs- und Entwicklungsnetzwerk für Gemeinschaftskultur, Lebensweisheit und Mediation) Bei open space Symposien gibt es keine Tagesordnung. Zu Beginn jeder Veranstaltung sind alle dabei, denn in den ersten 1 ½ Stunden entsteht die gesamte Arbeits- und Zeitplanung. Am Anfang sitzen alle in einem Kreis. Nach einer knappen Einführung in die Grundsätze und das eine Gesetz haben alle, die es wollen, die Möglichkeit, in die Mitte des Kreises zu gehen und ihre Anliegen zu nennen. Wenn die Anliegen an der Wand hängen und Zeiten und Arbeitsräume feststehen, tragen sich alle dort ein, wo sie mitmachen wollen. Das ist der "Marktplatz". Ist er vorbei, beginnen die Gruppen selbst organisiert zu arbeiten. Manche TeilnehmerInnen bewegen sich von Gruppe zu Gruppe. Jede Gruppe fasst ihre Ergebnisse, Empfehlungen und Verabredungen selbst zusammen und veröffentlicht diese für alle anderen an der "Nachrichtenwand". Jeweils abends und morgens und auch zum Schluss der Veranstaltung trifft sich die ganze Gruppe im Kreis, um Erfahrungen und Eindrücke auszutauschen. Die Motivation, selbst organisiert und selbst gesteuert anzupacken wird von der im open space entstehenden Synergie getragen und wandert in das alltägliche Arbeitsleben ein. Open space wirkt fort: In den Köpfen, in den Handlungen am Arbeitsplatz, im Stadtteil, in Unternehmensleitungen, im öffentlichen Leben, im gesellschaftlichen Diskurs, in der täglichen Meinungsbildung... Soziokulturelle Animation / Freizeitpädagogik Seit einigen Jahrzehnten verfügen mehr Menschen als je zuvor über viel Freizeit. Parallel zu dieser Entwicklung haben sich neue Disziplinen in der Sozialen Arbeit durchgesetzt; in der Schweiz die Soziokulturelle Animation, und mit ihr eng verwandt, in Deutschland und in Österreich die Freizeitpädagogik. Soziokulturelle Animation ist eine professionelle Dienstleistung für BewohnerInnen in einem Gemeinwesen. Sie orientiert sich an deren Interessen und fördert das soziale und kulturelle Zusammenleben. In der Regel arbeitet sie mit Freiwilligen. Bei der Gestaltung vom Lebensraum vermitteln diese zwischen Anliegen verschiedener Bevölkerungsgruppen, zwischen staatlichen und privaten Organisationen. Soziokulturelle Animation interveniert in den gesellschaftlichen Teilbereichen Politik, Bildung, Kultur und Soziales. Der informelle Charakter und die Niederschwelligkeit von Projekten, die Berücksichtigung der Bedürfnisse der AdressatInnen und die Anknüpfung an ihre Kultur sind zentral. Als professionelle Tätigkeit erfüllt soziokulturelle Animation in ihren Interventionsbereichen insbesondere vier Funktionen: 1. Partizipation im Interventionsfeld Politik und Gemeinwesenentwicklung; 2. kulturelle Vermittlung im Interventionsfeld Kultur/Kunst; 3. Prävention im Interventionsfeld Soziales; 4. Bilden im Interventionsfeld Bildung. Soziokulturelle AnimatorInnen spielen bei ihrer Aktivität auch bestimmte Rollen: 1. Die Rolle Animator/Animatorin vollzieht sich im Dreischritt "anregen - ermutigen - befähigen" und bezweckt, Zielgruppen zu Selbsttätigkeit zu aktivieren. 2. In der Rolle KonzeptorIn erforschen sie das Umfeld und erheben Daten über den Aktivierungsbedarf der Bevölkerungsgruppen. 3. In der Rolle Organisator/Organisatorin werden interessierten Individuen, Gruppen usw. unterstützende Arrangements (Aktionen, Projekte u.a.) angeboten. 4. Die Rolle Mediator/Mediatorin bedient sich eines Repertoires vermittelnder Tätigkeiten im weitesten Sinne. Sie reichen von Kulturvermittlung bis Mediation im Konfliktfall. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 9 Die Methoden der soziokulturellen Animation umfassen das Arrangieren von Lernsituationen ebenso wie die gezielte soziologische Erforschung quartierbezogener Strukturen. Ihre Aktionen und Projekte sind partizipativ gestaltet. Die soziokulturelle Animation benutzt oft Projektplanungsmethoden. Auf Nachhaltigkeit ihres Wirkens wird großer Wert gelegt. (s. auch: „Soziokulturelle Animation beobachtet, ein systemtheoretischer Beitrag zur Freizeitpädagogik, Michel Voisard, 2005). Gewaltfreie Kommunikation "Worte können Mauern sein - oder Fenster." „Alle Form von Gewalt ist ein tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse" (Marshall B. Rosenberg) Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist eine Grundhaltung und Verständigungsform, die in allen Lebensbereichen wirksam ist. Sie ist weltweit erprobt zur Erhaltung des Friedens und wird in Krisengebieten ebenso eingesetzt wie in Schulen, Unternehmen, Institutionen, zwischen einzelnen Menschen und in Gruppen. Die GFK liefert einen Rahmen für die Entwicklung von Fähigkeiten, die bei der Lösung menschlicher Probleme von Nutzen sind, angefangen von Konflikten, die in engeren persönlichen Beziehungen auftreten, bis hin zu weltweiten politischen Auseinandersetzungen. Gewaltfreie Kommunikation wurde von Marshall B. Rosenberg – bekannt als Konfliktmediator und Gründer des internationalen Center for Nonviolent Communication in den USA – über die letzten 30 Jahre entwickelt. Gewaltfreie Kommunikation ist eine erfolgreiche Gesprächsstrategie und eine Lebenshaltung, die Situationen zu schaffen vermag, in denen alle Beteiligten etwas gewinnen. Ziel ist das Erlernen eines einfühlsamen Kommunikationsstils, der uns Verantwortung für unser Leben übernehmen lässt. Die GFK befähigt uns, in Wertschätzung für uns und andere selbst bestimmt zu handeln und dabei die Bedürfnisse aller im Blick zu behalten. Die GFK hilft bei der Veränderung unseres sprachlichen Ausdrucks sowie der Art des Zuhörens. „Alle Form von Gewalt ist ein tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse" (Marshall B. Rosenberg) Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) gibt mit dem Modell der 4 Schritte konkrete und erlernbare Werkzeuge in die Hand, die dabei unterstützen: 1. Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, ohne unsere GesprächspartnerInnen zu beschuldigen oder zu kritisieren, 2. Bitten klar zu formulieren, ohne anderen zu drohen, sie zu manipulieren oder zu erpressen, 3. Vorwürfe, Kritik und Forderungen nicht persönlich zu nehmen, sondern durch mitfühlendes Hören zu klären, was dahinter steht. For-Giving – patriarchatskritische Modelle der Geschenkökonomie “I hope to show that there is a feminist explanation for language, and that much of our thinking can be re-framed as deriving from a woman-based practice. There is an entirely different paradigm which exists and is accessible beneath the abstractions of linguistics and semiotics. […] I suggest that, by finding and consciously embracing the hidden paradigm, we can begin to liberate both language and social practice from patriarchal control. […]The gift paradigm emphasizes the importance of giving to satisfy needs. It is need-oriented rather than profit-oriented. Free giftgiving to needs--what in mothering we would call nurturing or caring work--is often not counted and may remain invisible in our society or seem uninformative because it is qualitatively rather than quantitatively based. However, giving to needs creates bonds between givers and receivers. Recognizing someone's need, and acting to satisfy it, convinces the giver of the existence of the other, while receiving something from someone else that satisfies a need proves the existence of the other to the receiver. […] As we shift our focus towards validating the gift paradigm and seeing the defects of the exchange paradigm, many things acquire a different appearance: Patriarchal capitalism, which seemed to be the source of our good, is revealed as a parasitic system, where those above are nurtured by the free gifts of their 'hosts' below. Profit is a free gift given to the exchanger by the other participants in the market and those who nurture them. Scarcity is necessary for the functioning of the system of exchange and is not just an unfortunate result of human inadequacy and natural calamity. “ - Géneviève Vaughan, in: For-Giving, A Feminist Criticism of Exchange”, Plain View Press, 2000. The book is currently being translated into German. (siehe: http://www.gift-economy.com/index.html) „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 10 Was ist „Geschenkökonomie? „Landläufig versteht man unter Geschenk einen eingepackten Gegenstand, der zu bestimmten Anlässen von einer Person an die andere gereicht wird. Die Begriffe "Geschenkökonomie" bzw. "-wirtschaft" oder "gift economy" finden sich zwar häufig in der Literatur, es bleibt aber oft unklar, was damit gemeint ist. [...] Das Grundproblem des Menschen besteht aus der Sicht der Ökonomen darin, daß er nur knappe Mittel zur Verfügung hat, um seine (nicht knappen) Ziele zu erreichen. Zum Glück ist der Mensch oder zumindest der "Homo Oeconomicus" rational, d. h. er ist in der Lage, über die vorhandenen knappen Mittel so zu verfügen, daß er sie optimal einsetzt. Optimal heißt einfach: Ein gegebenes Ziel mit möglichst wenig Aufwand zu erreichen bzw. mit gegebenen Mitteln möglichst viel zu erlangen. [...] Eine Geschenkökonomie - und das ist meine Definition - ist ein System der Zirkulation knapper Güter als Geschenk, das durch zweckrationale Handlungen in bestimmten Umweltbedingungen erklärt werden kann. [...] Marcel Mauss betrachtet in seinem bahnbrechenden Werk "Die Gabe" den Geschenktausch wie viele seiner Ethnologenkollegen als einen Typus von (Sozial- und) Wirtschaftssystem. Er beschränkt sich nicht auf eine spezifische Ausprägung, sondern findet dasselbe System in vielen archaischen Kulturen. 2 Ich werde im folgenden die ethnologischen Theorien zur Geschenkökonomie im groben nachzeichnen. Dabei sollen hier die empirischen Fragen, ob, wo und in welcher Ausprägung diese Geschenkökonomie real existiert hat, aus Raum-, Zeitund Kompetenzgründen nicht Gegenstand dieser Arbeit sein. 3 Von Interesse für meine Untersuchung ist nur, dass es Mauss gelingt, ein plausibles Modell der Geschenkökonomie zu konstruieren.[...] In Geschenkökonomien gibt es die Pflichten, zu bestimmten Anlässen Geschenke zu machen, Geschenke anzunehmen, die Geschenke weiterzugeben und dem Gebenden Geschenke später (teilweise mit Zinsen) mittels anderer Geschenke zurückzuzahlen. [...] Pierre Bourdieu prägt in seiner Untersuchung von Geschenksystemen im Maghreb den Terminus "symbolisches Kapital" für das Ansehen, das der Schenkende für sein Geschenk bekommt. Vielleicht können wir als Geldwirtschaftsgeprägte die Funktion des Ansehens nur nachvollziehen, wenn wir es als Geld- oder Kapitalpendant betrachten, als ein öffentlich geführtes Konto, bei dem allerdings keine genauen Verrechnungseinheiten existieren, sondern nur eine ordinale Vergleichbarkeit einzelner Ansehenskonten möglich ist: Durch Weggabe von Gütern gewinne ich symbolisches Kapital, wenn der andere nicht in der Lage ist zurückzuzahlen. 4 Durch den Empfang von Gütern verliere ich an symbolischem Kapital, wenn ich selbst nicht in der Lage bin, zurückzuzahlen. Außerdem kann ich durch hohes Ansehen Ämter erwerben, die ich aber nur behalte, wenn ich das Ansehen durch wertvolle Geschenke erhalte. [...] In der ersten zentralen Kampfschrift für die heraufziehende Marktwirtschaft, in Adam Smiths "Wohlstand der Nationen", wird der Geschenkverkehr als etwas primitives, eigentlich animalisches, verworfen. [...] Schenken und sich Beschenken lassen ist also im Vergleich zum Tauschen oder Kaufen/Verkaufen ineffektiv und somit ökonomisch irrational. Unser System basiert darauf, dass jeder Tauschakt im Prinzip abgeschlossen ist: Der Gebende bekommt die Gegenleistung sofort: Geld, einen Tauschgegenstand, Schecks, Schuldscheine oder einklagbare Forderungen. [...] Das ist eine Grundlage für die Trennung zwischen einer Sphäre des ökonomischen Austauschs und einer der tiefergehenden sozialen Bindungen.“ - Maximilian Vogel, aus: Internet http://www.wosamma.com/mag/2.html, modifizierte Fassung der MA 1997, FU Berlin, AB Informationswissenschaft. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 11 Elemente systemischer Aufstellungsarbeit (nach Manuela Mätzener&Babak Kaweh, Matthias Varga von Kibéd und anderen) Was ist systemische Aufstellungsarbeit? Wir alle tragen ein Bild von unserer Lebenssituation in uns. In einer Aufstellung wird mit Hilfe der Teilnehmergruppe dieses Bild in seiner Ganzheit sichtbar gemacht. Wir erkennen, wer wir waren, wer wir sind und wer wir werden wollen. Es geht um Lösungen. Auszug aus einem Gutachten des Psychotherapiebeirates vom 14. Juni 2005: "Das Ziel der Aufstellungsarbeit sind der Informationsgewinn zu wichtig scheinenden Bezugspersonen und die Entwicklung neuer Sichtweisen zum eigenen Erleben und Verhalten, das in der Ursprungsfamilie und in erweiterten sozialen Systemen erlernt und eingeübt wurde. Die Verknüpfung von aktuellen Problemen und Fragestellungen der Patientiennen bzw. Patienten mit dem Familiensystem geht von der Annahme aus, dass hemmende und kränkende Beziehungsmuster erkannt, reflektiert und verändert sowie wenig genutzte Potenziale und Ressourcen im aktuellen Leben besser erfasst und ausgeschöpft werden können." Was ist eine Aufstellung? Jede Aufstellung beginnt mit einer Fragestellung von Ihnen und einem lösungsorientierten Gespräch mit den beiden Aufstellungsleitern. Anschließend stellen Sie mit Hilfe von anderen Gruppenmitgliedern als Repräsentanten Ihr „inneres Familien-Bild“ im Raum auf. So werden Beziehungen und die Dynamik innerhalb der Familie - selbst wenn diese bereits verstorben sind - sichtbar. Danach treten Sie an den Rand des Bildes und beobachten zunächst. Das Wesen der Aufstellungsarbeit liegt in der Energie, die zwischen den Menschen in diesem Bild entsteht. Die Stellvertreterinnen und Stellvertreter von bestimmten Personen horchen an ihrem Platz in ihren Körper hinein und achten auf das, was sie fühlen. Durch ihre Stellung und ihre Positionen zueinander entsteht ein Spannungsfeld im Raum, das nach Veränderung und auf Lösung drängt. Verborgenes Wissen offenbart sich in den Beschreibungen der jeweiligen Person. Durch die von den Aufstellungsleitern (idealer Weise ein Mann und eine Frau) geleiteten Veränderungen der Stellung der Personen zueinander setzt ein Lernprozess auf vielen Ebenen ein. Durch das Sprechen bestimmter Sätze und den Austausch von Gesten eröffnen sich Ihnen überraschende und wirksame Einsichten. Ablauf einer Aufstellung: 1.Einleitendes Interview, 2. Auswahl der StellvertreterInnen und Aufstellen des Systems, 3. Befragung der StellvertreterInnen, 4. Interventionen, 5. Lösung(sbild). Geschichte der Aufstellungsarbeit: Aufstellungsarbeit ist seit Generationen in unterschiedlichsten Formen und Kulturen von Amerika bis Asien bekannt. Die psychotherapeutische Arbeit mit der "Familie" und dem weiteren sozialen "Netz", in dem wir leben, geht auf die Psychotherapieverfahren "Psychodrama" (Bsp. Soziometrie ab 1930 von Jacob Moreno) und "Systemische Familientherapie" (Bsp. Familienskulptur ab 1960 von Virginia Satir) zurück. Es gibt u.a. das Familienstellen von Bert Hellinger, Strukturaufstellungen von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd, Organisationsaufstellungen von Gunthard Weber und SDI®-System- Dynamische Interventionen von Roman Braun. Systemische Aufstellungsarbeit wird bis heute - auch von uns - ständig weiter entwickelt. „In den letzten Jahren hat das Arbeiten mit Systemaufstellungen als Quelle für tiefere Einsichten in menschliche Beziehungsstrukturen nicht nur im Zusammenhang mit Familiensystemen, sondern auch in Organisationen, weltweit einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht. Es hat sich sowohl für individuelle Fragen, als auch für die Entwicklung von Organisationen und Gruppenarbeit als sehr effektive Methode erwiesen. [...] Ziel einer Aufstellung ist es, durch den gesamten Prozess dem/der AnliegenbringerIn zusätzliche Optionen für Handlungen in der Außenwelt anzubieten.“ - Manuela Mätzener & Babak Kaweh (siehe: http://www.maetzener.at/kaweh.php) „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 12 2. Künstlerisches Team FLEISCHEREI Kurzbiografien sind unter www.experimentaltheater.com zu finden Geschäftsführung Eva Brenner (A/USA) Obmann des Vereins „Projekt Theater“ Peter Kreisky (A) Künstlerische Leitung Eva Brenner (A/USA) / Andreas Pamperl (A) Kernteam / PerformerInnen Angélica Castelló (MEX) Corinne Eckenstein (CH) Birgit C. Krammer (CH) Clemens Matzka (A) Maren Rahmann (D) Sibylle Starkbaum (A) Assoziiertes Team Monika Anzelini (A), Rainer Berson (D), Steffi Hofer (D), Jella Jost (A), Jakub Palacz (PL), Agnieszka Salomon (PL), Uta Wagner (D/B) Raumgestaltung/Technik Andreas Pamperl (A) Dramaturgie Eva Brenner (A/USA) Barbara Seifert (A) Anna Sonntag (A) Administration/Assistenzen Serena Laker (A) Katka Csanyiova (SK) Christiane Schnell (A) Grafik/Fotografie Rainer Berson (A), Eva Brenner Webdesign/PC-Systeme Oliver Sowas (A) Alexander Schlögl (A) PR & Pressearbeit Monika Anzelini A() Musik/Komposition (ausser Gästen & Gastensebmles) Angélica Castelló (MEX) & “Low Frequency Orchestra” Peter Kaizar (A) Reinhardt Honold & Band “Mind the Gpa” Buchhaltung Kanzlei Spann&Freund / Judit Wlaschitz (H) „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 13 3. Biografie Orhan Pamuk - Zu Person & Werk Orhan Pamuk (* 7. Juni 1952 in Istanbul, Türkei) ist ein bedeutender und international beachteter türkischer Schriftsteller der Gegenwart und Träger des Literatur- Nobelpreises 2006. In seiner Erzählkunst schlägt er Brücken zwischen dem modernen europäischen Roman und der mystischen Tradition des Orients. Sein Werk ist mittlerweile in 35 Sprachen übersetzt und in über 100 Ländern veröffentlicht. Auch sein im Wesentlichen menschenrechtlich begründetes politisches Engagement, mit dem er einerseits die türkische Regierung u.a. zu historischer Aufklärung und Verantwortungsbereitschaft anhält und andererseits christlich begründeten Widerständen gegen einen EU-Beitritt der Türkei entgegentritt, zeigt ihn in einer beide Seiten fordernden Mittlerposition. Aufgrund von Äußerungen zu den dunklen Seiten der türkischen Geschichte in einem Interview wurde Orhan Pamuk wegen „Verunglimpfung des Türkentums“ (Artikel 301 des Strafgesetzbuches) angeklagt. Das Verfahren wurde jedoch am 22. Januar 2006 eingestellt. Orhan Pamuks Werke reflektieren das Identitätsproblem der seit osmanischen Zeiten zwischen Orient und Okzident hin- und her gerissenen türkischen Gesellschaft. Eine wichtige Rolle spielt dabei die in Vergessenheit geratene mystische Tradition, der sich Pamuk aber auch erst mit 35 Jahren zuzuwenden begonnen hat. Seither ist für seine Bücher „ein dichtes und vielfältiges Gewebe aus schwarzem Humor, blitzendem Scharfsinn, sinnlicher, stark visuell geprägter Darstellung, kriminalistischer Kombinationsgabe und romantischen Sehnsüchten im Bewusstsein der schnöden Wirklichkeit“ (Friedenspreis- Laudatio Sartorius) ebenso charakteristisch wie der Bezug zur reichen Erzähltradition der islamischen Sufi-Dichtung. Orhan Pamuk, so heißt es in der Begründung der Friedenspreis-Verleihung in Deutschland (2003), gehe wie kein anderer Dichter unserer Zeit den historischen Spuren des Westens im Osten und des Ostens im Westen nach. Er sei einem Begriff von Kultur verpflichtet, der ganz auf Wissen und Respekt vor dem anderen gründe. Die Fatwa gegen Salman Rushdie hat er als erster Autor in der muslimischen Welt verurteilt und hat sich für seinen großen türkischen Schriftstellerkollegen Yaşar Kemal eingesetzt, als dieser 1995 in der Türkei unter Anklage gestellt wurde. ER hat die bis vor kurzem von Missachtung und Unterdrückung gekennzeichnete Kurdenpolitik der türkischen Regierung harsch kritisiert und den ihm gleichwohl angetragenen höchsten türkischen Kulturpreis zurückgewiesen. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 14 Mit seinem politischen Roman „Kar” („Schnee“, 2005) hat Pamuk nicht nur ein weltweites positives Echo auf sein schriftstellerisches Schaffen ausgelöst, sondern ungewollt vielen Skeptikern bezüglich eines türkischen EU-Beitritts zusätzliche Nahrung geboten: Eine in sich so zerklüftete und spannungsgeladene Gesellschaft sei in die EU unmöglich integrierbar. Pamuk hat sich dagegen verwahrt, seinen phantasievoll verdichteten Realismus gegen die EU-Beitrittsperspektive auszuspielen und darauf verwiesen, dass sich die Türkei gegenüber dem von ihm beschriebenen gesellschaftlichen Szenario bereits erheblich gewandelt hat: „Wir hatten traditionell ein sehr starres System der politischen Repräsentation. Die Möglichkeit des EU-Beitritts hat alles durchgeschüttelt. In jedem Lager – bei den Linken, den Rechten, den Islamisten, den Kemalisten – hat sich das Schubladendenken erledigt. Bei uns regieren jetzt proeuropäische Islamisten. Die haben irgendwann verstanden, dass man mit pro-europäischer Politik Wahlen gewinnen kann, weil die Wähler sich davon eine Verbesserung ihres Lebens versprechen.” Wiederholt hat Orhan Pamuk seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, dass der EU-Beitritt der Türkei ein wichtiges politisches Ziel darstellt. Auszeichnungen Für die französische Übersetzung seines nächsten Romans Sessiz Ev erhielt er 1991 den 'Prix de la découverte européenne', für Beyaz Kale 1990 den 'Independent Award for Foreign Fiction'. Mit Benim Adım Kırmızı gewann er 2003 den hochdotierten 'IMPAC Dublin Award'. Am 12. Oktober 2006 gab die Schwedische Akademie ihren Beschluss bekannt, Pamuk, „der auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden“ habe, den Nobelpreis für Literatur des Jahres 2006 zuzuerkennen. 1979: Gewinner des Romanwettberbs des Verlagshauses Milliyet mit dem Roman Cevdet Bey ve Ogullari (TR) 1983: Orhan Kemal Romanpreis für Cevdet Bey ve Ogullari (TR) 1984: Madarali Romanpreis für Sessiz Ev (TR) 1990: Independent Award for Foreign Fiction 1991: Prix de la découverte européenne 2003: International IMPAC Dublin Literary Award 2005: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2005: Ricarda-Huch-Preis 2006: Nobelpreis für Literatur 2007: Ehrendoktor der FU Berlin „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 15 4. Biografie Camilo C. Antonio (Philippinen) Camilo (Collantes) ANTONIO: Nationality: Austrian Citizenship awarded in September 1999. Date & place of birth: 22 July 1944; Cauayan, Isabela, Philippines. He resides in Vienna. Education: - 2002- 2005: completed academic course work for a doctoral-of-philosophy programme in political science, University of Vienna; currently conducting research and writing dissertation on the subject: Literary practice, the public question and discursive construction of national identity. - 1999-2001: completed courses in German, Austrian politics and history, and on Austrian constitutional law and administration (within the framework of a Nostrifizierungsverfahren for which I received the title Magister der Philosophie (Politologie, Publizistik und Kommunikation mit Bescheid vom 08.08.2002). - l972-97: work-connected executive/management & professional training seminars/workshops, among others, at Oxford, INSEAD in Fountainbleau, European Management Develoment Foundation in Brussels, and Indian Management Institute. - Doctoral fellowship at the Dept. of Government, Georgetown University, Washington, D.C., l968-70, completed academic requirements for the Ph.D. - Master of Arts in Political Science (Southeast Asian Studies) at the University of Colorado in Boulder, U.S.A., 1967-68. Achievements & Experience: 1. Volunteer work including advising & consulting engagements with non-governmental organisations such as The 1% Fund for Development (where members pledge to give at least 1% of their monthly incomes to support NGO-projects in the third world); Rome-based Society for International Development; Berlin-based International Peace University; as one of 7 elected representatives of the Conference on Integration organised by the Vienna Integration Fund, I have been involved in dialogues towards resolving issues affecting migrant groups and assylum refugees; organizing projects to support charity groups, e.g. the homeless in Vienna, and donating to Caritas Orphanage projects. 2. Creative writing, performance poetry, cd/video recordings, e. g. scripting/organising/directing performances by URBANNOMADMIXES at the Hallamasch Festival of Cultures in Vienna (1998-2000); with Labyrinth (the Association of English Language Poets in Vienna) and the Vienna School of Poetry in collaboration with the Jack Kerouac School for Disembodied Poetics in the U.S.A. 3. Literary-cultural journalism, e.g. in connection with Subdream, Buntezeitung, and as foreign correspondent for Filipinos Abroad (accredited to the Austrian Federal Press Services as member of the Foreign Press Club in Vienna. 4. As an International Civil Servant, 1977-l998: employment at the United Nations Industrial Development Organisation in various functions, e.g.:- Director, Asia-Pacific Bureau, with responsibilities for guiding and leading the work of UNIDO country directors & desk officers in country programming, planning cum strategy development, resource mobilisation & funding for technical co-operation programmes in the Asia-Pacific region; - Director, Human Resources Development Branch, with overall responsibility for policy directions, conceptualising & directing technical co-operation projects specifically related to developing human resource groups (such as women, young people, rural folk, industrial entrepreneurs, executives/managers, technical & operational staff) in third world countries; - Project „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 16 Manager for technical assistance projects to develop small & medium industries; work included conducting pilot action-research projects with David McClelland's Achievement Motivation Model for developing entrepreneurship among specific social groups such as those disadvantaged; Wrote and published numerous articles & technical papers and initiated/supervised the publication of bulletins/magazines such as those connected with human resource development Distinctions & Awards:
- PAMANA (Heritage) AWARDEE, Year 2000 Philippine Presidential Awards for
distinguished achievement by Filipinos Overseas;
- Selected & initiated to membership, Pi Sigma Alpha, U.S.A. National Political Science
Honour Society; Austrian/Central European Political Science Associations;
- United Nations: citations & promotion from entry professional grade to the directorialdiplomatic
level based on consistently high performance ratings for work impact, output and commitment to U.N. international civil service standards;
- UNIDO Director General's Team Service Award for Developing Entrepreneurship Among
Women & Disadvantaged Groups, l996;
- U.S. Congress Internship, awarded under the Foreign Leadership Programme by the
International Institute of Education, 1968;
- Doctoral & teaching Fellowship awarded by the Graduate School of Georgetown
University, Washington, D.C., l968, then, renewed for 3 more years;
- Rotary International Foundation Fellow as Ambassador of Goodwill to the U.S. and for
graduate studies at the Univ. of Colorado in Boulder (1967-68) Lanuages
- Filipino, Ilocano, & Ibanag: learned & grew up with these as native languages;
- English: main language of study from kindergarten thru post graduate & work;
- Spanish: passed Georgetown University & U.N. proficiency examinations;
- German: passed University of Vienna & Goethe Institute proficiency tests;
- French: basic courses, Vienna French Cultural Institute & the Sorbonne in Paris;
- Italian: emergency/survival kit for tourists & itinerant lovers.
„CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 17 5. Textbeispiel Camilo C. Antonio UR BAN NO MAD MIXES Jamming on Midsummer Night’s Dream: From Sense to Nonsense and Back Again (concept&script by Camilo Antonio based on contributions by Ensemble) Part I: Invocation Sandro Miori: (plays the sax to fill the place with erotic and exotic air) Camilo as Puck: (speaks as Stefan enters strumming the guitar; Sandro walks to center) Liebe Damen und Herren, Freunde von Katharina, Muse of this Verein And all you country lovers of Römersteinbruch und der Kunst überhaupt Imagine this before Österreich became Austria Before Vienna became a thought Before Bildhauer became sorcerers of Roman stones Before Mahler got lost in Alma’s kaleidoscope Imagine how all of us would have turned into: guess what? …aus kontroliert biologischem Anbau… Our seeds crushed into Der Nachbar’s culinary delight: Ensemble: (shouting from the sides among the audience) Not Zweigelt. No more Mozartkugel… Kürbiskernöl! (mumbling in whispers) So, what for? Another Midsummer Night’s Scream! Puck: (to Ensemble) Oh no, this is not a reheat of Shakespeare’s Encounter among dreamers in Woodlandia But yes, surely one: Out of Chronos and Chromos… And yet, also akin to his bothered and bewildered witches We’ve come to join cicadas and crickets bewitching each other: Into awaking and enchanting their own Duendes and phantom ghosts… Nope, we have no potions to sell or misapply – You have the magic of flight and fright to make you Cross into this celebration of the new moon’s opera… To make you wander and to colour fields of worlds Within words, strange sounds to guitar strains That’ll make you dare to leave your stains upon the stones… So, if you have fears, prepare to shed them now Lay your heads on our moving shoulders And let your dandruff and other worries freely fall That they may get lost among an accumulation Of losses and gains, gory endings and glorious beginnings… Into a multitude of plots within that seamless story Where you can go Puck yourselves deep down Among the crabs and lobsters nibbling undergrowths „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 18 Oblivious to those that go Puck themselves and their lovers Into a continuous stream of re-arrangements the ways Roots darkly weave along beneath the lit-up parts of trees. . . Part II Convocation oder Überlegungen (Stefan fades out guitar; Sandro weaves his instruments in) Franz: Sehr geehrte Damen und Herren, also, fasten your seat belts. Wir sind im Prater, wo Geister aus Bahnen und Fahnen des nachts zu den Menschen sprechen; Sie heissen Sie alle willkommen… Cami: (in a dreamy dancy mood to Salem) At last, we’ve come into that sort of forest to go let ourselves dream in; out here we can shake spears in good company: Midsummer or not Salem: (gets into the mood) Ay, in here, where the solitary peer may meet an “Other”; where the soothsayer may go to encounter an audience in search of itself Puck: Where anyone may find conversant company in that silent conveyor of signs – in the conjuror who conspires with the loneliness of letters that have been made to run long distance unforeseeable lives. Alex: Wenn ihr Euch strapaziert fuhlt mit dem Parteischlacht brouhaha überall Stefan: Or if you wish to simply fire that grey November in your soul Christiana: Perhaps language can soothe when you allow her to do all the talking. Ensemble (to audience): So, come on then, lose yourselves in non-translations and let the body be mindlessly misenchanted by off-beat Pucks Franz: In etwa mehr als nur G’schichten aus dem Wienerwald. Cami (to Ensemble): Ah, so you want to know who is running away from whom? Salem: Or who is punishing what pundit and who gets all the undeserved shit? Puck: And you ask what is it dear Will has been trying to expose? Why is it we keep encountering Shakespearean ghosts? What are the things we lose in the thrill we get? Alex: The facts we recognise as we try intimacy in a jet – Stefan: going after what we already have in the comfort of our boots… Christiana: and in corsets that we carry with us as we flee the home of our shoots. Franz: Aaah…in here you can join a stranger’s way of looking at things, like, you’d have to believe not only cats have nine lives struggling to be freed from houses Cami: Not to mention those metamorphosing in New Orleans Salem: Ah, but in this Atelier there’s been a rousing Company of Minds that Puck: like Shakespeare, has taken up different voices and in that impossible difference speak out the folly and the pain and leaving it at that to those who’d like to understand Alex: Or who may only wish no longer to ask how come this never-ending bonding chain – this blood-letting human stain… Stefan: (to the audience) And you who may dare: go in among the stones Christiana: (dances) like a drifting fragment – meander along betwixt the dream-in through corridors of perception Puck: Let Katharina indulge you, not as The Great Queen, but as painter and mother of muses: Mnemosyne, into your sleepwalking memories. Franz: But let your African instincts lead you „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 19 Into your own ethnic interiors, deep into Schnitzler’s weites Land… Cami (to Salem): As a postmodern, perhaps you might even rethink Da Vinci’s Magdalene Salem: Or learn to drive that ultimate tractor through the oil pipes in Ukraine. Puck: And listen to the wind that can point you to others who learnt how to shake the spears off their shackled wills or the walls we spare while peering into other sandcastles and wake up to a shaken Gemütlichkeit der Heimat. Alex: As when one working day we stop the clock and invite others to stir the air with Ensemble: Genug mit dem blutigen Unsinn! Stefan: Let’s make poetry, no need for more COWs marching into another Iraq! Franz: Even if that venture falls on deaf ears much the same way small worlds merely had a good laugh when Shakespeare Cami & Salem: (holding up their masks) held up his mirrors before mechanical warriors Puck: Etwa wie wenn Jelinek donnert in den Waldheimern und auf den Haidern. Alex: Doch in dieser Hölle der Hooligans, gibt es Oasen. Stefan: Why look for foul smells when not everything in the EU’s range of vision has gone offline Christiana: Besides, you may yet hear that plus from an endangered species: Franz: Weanerheazn succumbing to a client’s plea: Cami and Salem: Help me kiss my ass goodbye and lead me into tomorrow’s seductions. Part III : Jamming Responses & Improvisations Puck: You crave seductions? C’mon then, let me into that sanctum of your dreamscapes. Let me into those innermoist flora de los secretos… Ensemble: Go Puck yourself and start from there you fool! Puck: Ok, here are my latest: 16 August 2006: saw myself sitting in the loo; Mama who’d passed away last year is standing in front of the door – ajar… I see her holding a roll of toilet paper…my guts carry on; discarding lava like Mt. Pinatubo, or an overflowing Donau…scene changes… a Filipina leads me towards a baroque building where multicoloured squirrels, rabbits and snails are coming out of stone eaves and walls… We are in Vienna – in old imperial Wien – in the Prater, and she acapellas classical voice… Ensemble: Ohhh… isn’t that from Villalobos? Puck: Yes, Villalobo’s Bachianas Brasilieras… Christiana: (sings and moves to center stage, the Ensemble-members freeze in their places as though enchanted…) Salem: (moving towards center-stage addressing Christiana) There was the dream I had in Prague of my sister and I as prostitutes in a Czech brothel. The head mistress brought in a truck driver who first glanced at my sister and then over to me and said, "I prefer the plateaus of Argentina to the Andes of Chile." (Salem points to Cami) Cami: (moving towards center; then in a dreamy mood) I am sitting in the kitchen eating cookies. I am surrounded by them, and then I grow increasingly excited by their presence. And then as I open the fridge, which reveals even more cookies, my excitement peaks to orgasm as I realize they are all mine. Stefan as Willow: I have recurring dreams where I cut my dead weight of a tongue out, and feed my curse to Kali, the dark Indian goddess (he points at Salem as if assigning her to play Kali: Salem approaches mimes eating a red tongue) She says it tastes good. (Suddenly, „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 20 Stefan stands up wearing a Kimono and holding a sword; Mia appears as a Samurai). In my dreams, I fight the battles that my tongue could not (they fight and Stefan is defeated). Franz: I dreamt I was standing by a window, looking into a large park and hills beyond it. My uncle, who is well connected in the Catholic Church, approaches me and tells me that he has to speak to me urgently. He begins a winding story and in the end informs me that the college of cardinals has elected me as the next pope. Deeply shocked I look out of the window and see the little house of my parents that inexplicably stands at the edge of the park, fade into an unreachable distance. “But why” I ask my uncle. “Because they could not agree between Africa and Europe and so there had to be a compromise: they wanted a black pope but from Europe.” “But I am not black” I shout, my panic rising since I hear the procession of cardinals coming up the staircase to fetch me. And as I grip the windowsill to lean out for a last look at the fading house of my parents, I look down on my hands and see that they are black. Puck: Dear me, but who are these creatures beaming out of non-mainstream highways? Ensemble: Who the Puck are you and which kind of hell did you fall into? Puck: Well, this is not the voice of America. But thank you for calling the Smeared-White House switchboard. Please listen carefully to these instructions: If you’re calling to complain about the mishandling of such ventures as in Afghanistan & Iraq, replies are being carefully concocted for next year’s elections; if you are calling about backyard Guantanamos hidden from public notice, this will disconnect; if you are calling to support our endorsement of state terrorism and torture, press any button and some Reverend Father will give you blessings… Alex: (to the Ensemble) What’s he saying… doesn’t he know he’s being recorded? Puck: oh oh oh I guess, I am the noise of Nanopolis: addicted to the sound of sense marooned in nonsense. Oh well, blame it on the friends I get… yeah…all these friends who come in all kinds of underwear now… Silk nylons – see-throughs –a fake leaf or feather The caste and outcast and those with dyed hair All share the same need for food and t-paper The rebuffed, rebuked and the ostracised May work hard and yet never get recognised Some of them get kicks from telly-refuse And daily couriers of who-got-the-hack-news… Cami: (from center stage, in thoughtful mood) Urban streets, that’s where it’s at. All that nomadic yearning; all that pushy rapping; takes me in its burning…into The Hole: (as she raps, the Ensemble support her with percussive background sounds) You’re afraid for so long, So afraid, it’s so wrong, So long that the fear has you here, where you are... Isn’t right for the soul, aggravating that hole, Ever gaping, and consuming your right to be free, Your desire, your spirit, your whole humanity. Let’s slow down, no don’t stop, you’re glowing now, You’re back on top, you’ve found the rhythm in your life To conquer the strife, you just did it, you got with it, „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 21 Your hoping mind helped you rid it, of that hole, that fucking hole Which has you right on the edge, borderline, but your just fine. Don’t worry ‘bout those lies, those insidious lies, Those malicious, repetitious, ever vicious, looming lies. Had you crying late at night, from the fright of the hole, Which daunted no escape, believing in the hate, The hate of yourself, your disgusting worthless self, But remember, those were lies, there’s no need to despise, All you know, who you are, where you’ve been, near and far, And now you’re here without the fear, only knowing it’s ok, There’s no reason not to stay, in the space where you thrive, You’re alive, You and I, my God We’re alive, not in the hole, We’re living whole. Salem: (takes center stage flipping out her fan) ohhh la la la! Anyone needs a fiesta break? That’s who I am. No gracias! No Iraq and no more war with all those untimely appointments with death on account of damn Putas del Gobierno. Y mira, I don’t go for any of that Fidel Castro fever, either, But hey, give me Havana anytime…Pero yo soy chicana. Ah, let me tell you about the time el rodillo or in other words the "husbandbeater" came out when Tío Mario came home really late one night. Nana became una bruja as she chased him around the dining room table screeching with the rolling pin hoisted high above her small frame. How ridiculous the words "Ay, ay mama dejame por favor?!" sounded from a grown man to my childish ears. Franz: (Talking rather confusedly to himself) My head is English, or Indian. My heart or my soul is African. I’m living in Vienna, was born here too, but not from here. (then he turns to the Ensemble) A war-induced chance meeting of two people – two different worlds meeting because their own had collapsed or irretrievably changed, creating a new life from old traditions but leaving me to wonder, in this city of cross roads and fault-lines, what being here is all about: whose fault are the lines: geography? history? humanity? here runs the line where eastern Alps meet western Carpathians the ancient route traversing the river the amber road that leads from dark and freezing shores to warm and lusty Rome. Romans and Huns, Bavarians and Celts, Slavs and Jews all came and met and formed the crucible of north and south darkness and light – Carpathian wolves and Alpine sheep eyeing each other across a river that had been, for so long, the border between Roman order and Germanic chaos here runs the line of the westmost reach of Istanbul’s sultans, the seam of Europe and the nutshell that presents the stage on which are rehearsed the plays to be then carried out in earnest and in blood on scales much larger than this little town and land Who are now drawing the lines and are thus creating new faults? rather, why not fold the lines into each other: Slavs into Germans into Gentiles into Jews into Filipinos into Austrians into Viennese all into one big family with maybe some more pleats but no longer faults „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 22 alas, Vienna is gemütlich to a fault: southern laissez faire tempering northern gründlichkeit so we won’t change a thing – not us and not this city – we’ll refuse to find fault and we’ll persist in living our lives on fault lines until the plates will move again and swallow up also those who take a fault for dear tradition. Alex: well, identity – your pucking question. Remember how we once played with the vowels in our names? Here goes for A: bah – what barks – what’s all that mad tam tam – what’s all that jazzed wham bam, y’ask aghast – abracadabra ads and brands rant – attract mass bands a-la bats and ants – Atlanta – Alabama – Iraq – Iran – fat cats mask war bags – slam gangs want star wars – mass strands watch all that – stay aback… And here’s for E: He met her – be me – get me – tee-hee – get me – peek – seek – feel knees – get me Peel teeny weeny length – tee hee me – then be – be be be – she be he – he be she Get Kleenex – see – wet text… Stefan for Willow: My mom always told me I’m a good ore I guess you do have to leave home to become some body, huh? Now, here’s what I’ve written for those who want my Lebenslauf – out of my harbour city: Creature i am! with slavering chops and a snotty nose- dirty me, i bark out of my water bowl: the repugnant sound, of the ignorant classes – i come from the place, where pixel faces, deliver to the masses: some vocal abracadabra unto the scene; and at smokey gatherings, render stupidity. as revenous sound bites, eat at the throat- the kenalls reverberate, with a sudden inspiration, as the scruff half, your very own creations, try to rise, and make a last crooked stand. And, know what? That’s where I learned to sing this anti-patriotic song: “Jackpot” by Tocotronic (he picks up his guitar and sings). Puck: hmmn...ho ho ho...I smell the blood of a Sau. Sausages! And cold cuts! Don’t you, don’t you? Or, would you rather have something else? Me? I crave meat with full carnal knowledge – with all the massaged-in Kürbiskernöl too; Oooh...and I don’t allow just anything to come roll-in my tongue’s clutches like those Spanish empanandas, that Filipino shopao, or Kärnten noodle and Schlipfkrapfen...I wanna be sure what’s in dem holes! Cami: (in a state of reverie, approaches the table – the Ensemble follows and freeze looking at the buffet table while Cami raps and punk-dances) Other people may eat shit on a plate, it’s not their fate, They only think it’s too late to negate what they ate, But thank God that for you what is true is not that You found joy in yourself and you know where it’s at. That hole, that fucking hole is filled up with the truth, That of knowing who you are which isn’t easy to do, Other people still eat shit and they’ll feed it to you, Or they’ll try, but deny them that pleasure that they get When they see other people that are weak, not yet free, „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 23 They contribute to that hole, give it power and allure, Concealing what is pure, and the depth of that hole, That confounded hole, of conformity, cliché, mediocrity, dismay, Lack of value, lack of heart, lack of self, lack of smart From uncertainty, no connection to the purity of heart, Which moves forward, not so still, And uninspired as the hole, in the hole. Christiana for Bariane: Couscous; if I write it quickly, because my handwriting is so dreadful, it looks like COWS. I like cows, not to eat of course, I am a vegetarian, I don’t eat meat; I eat couscous. Couscous is cheap and with sesame oil and some garlic, tomatoes, nuts or raisins It’s downright cosmopolitan, bohemian, international and exotic even when served up on a plate stolen from Austrian Airlines by my engineering lover. Stefan: You ask about my favorite dish? The meal I say I love the most? I want neither pork nor fish. If I could make a final wish… Man, I could die for a greasy toast. Salem: (does a provocative number with Cami) I must say Sugar-coating not my style Once in awhile Just having it all With whipped cream And a cherry on top Puck: Before I let you go back to your routines, tell us something about your enthusiasms – things that have been driving you and what you have been willing to settle for, as in Wien’s Umgebung, this summer in 2006, where I saw diversity wie noch nie and so wrote this song: This hot August unites all Europe in Boulevards of Ice Cream Cones Graben turned into Arabia – Kohlstrassen to ex-Gorbilands People parade their slurping tongues… Wien has become polychromatic with graffiti in Gelati Mangoes, kiwis, tiramisu, banana split and whipped cream too They also come as spaghetti… Gone old Europe’s reservations where the people held their tongues Now that part is broken loose and fleshly tangos round the cones… Europe is slurping with excitement in Boulevards of Ice Cream Cones Nannies – children – priests and nuns – big mamas – tough guys – superwhams Survive the heat by slurping tongues… Stefan: There is a place in Vienna that – despite all obstacles – I call home. A place – with stretching, narrow paths. A place – where voices speak in unheard tongues. A place – where crowded masses gather to consume. A place – where the smell of rotting fish bites the nostrils. A place – where Eve’s apple lies in every corner. A place – where the air is filled with the spice of the beyond. A place – where gangs of southerners threaten: “You gotta problem?” - “You gotta problem?” “What you lookin’ at?” – “What you lookin’ at?” This place… I’ve been a victim here so often. This place… I simply can’t say “no” to vendors in Naschmarkt. Salem: (dreamy and pensive) What am I looking for? I've been dying to find A weaver who can splice manifestation and void Until the paradoxes of life form a noose around my neck „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 24 And I swing on the gallows of inner peace. Cami: (to herself, lost but in a dancy mood) What to do with that hole? Only one thing to do? Avoid it, no, exploit it, no, Recognize that it’s there, feeding on your despair, But remember you’re not there, you are free, just like me, But you live just like you in this zoo, of a world, That is twisted, filled with grief, But the brief fleeting moment that is there for the taking Not forsaking any time, yours or mine, to see the truth, Absolute, not a chance, But defined equilibrium inside. All we know is that hole, the cotton pickin’ hole, And its opposite, we learn from it, We grow and move and fight with it, But then we know, we really know, And we show what we’ve learned, But they’ll learn on their own, although it’s been shown, But we’ll leave them to their own, Let them groan, let them cry, let them fear ‘cause one day they’ll be here in their minds where we are, hopefully, not to far, and we’ll try to be at peace with the hole. Part IV Epilogue Christiana (as if lost in another country, moves towards the door while singing Dandansoy, a Filipino Folk song) Puck (walks to the door Kathrina opens; Musicians play; Ensemble members lead the guests into the Studio): Shall we then make heavy what is light Or brawl in love the softy spears we quickly viagrad And bring to bed that which is not, then piss the truth Like we are not the virtual lays we are? All’s well that ends well but do not attempt Hermione’s mayhem Whether you care for early Shakespeare’s rhythm Or for the blank verse and freeways he’d blazed much later This Place is not your quiet corner to cavort with Othello’s stake of the Other For here, you can quit awhile and Find Company in a freak of time Living for no one else’s reason Nor for that doggone gilt-domed rhyme. (Sandro plays on his sax; Bernhard picks up while I introduce the Ensemble). ©11 September 2006. Atelier Prantl, Der Kunst. Concept and Script by Camilo Antonio with ideas/text-contributions and lyrics from members of the Urbannomadmixes Ensemble: Willow Faylinn Rowlands, Cami Islas, Salem Islas-Madlo, Stefan Mey, Alex Page, Franz Karl Prüller, & Bariane Rowlands featuring Christiana Serafin de Ocampo, soprano Sandro Miori, saxophone and flutes; Pia Moic, mime. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 25 6. Konzept FLEISCHEREI_mobil - Frühjahr 2007 (bereits eingereicht) „HELP YOURSELF, MARRY ME!“ : 3. Interkulturelle Hochzeit mit türkischen MigrantInnen der 2. & 3. Generation Zeit: 16. März 2007, Ort: Ragnarhof, Grundsteingasse 12, 1160 Wien © Archiv Emel Heinreich Kuratorinnen/Regie: Emel Heinreich (A/TR), Asli Kislal (daskunst, A/TR) Musik und Klang: Uwe Flechle (A) Performance: migrantische Jugendliche des VZA (Verein Jugendzentrum Aichholzgasse, 1200 Wien) Eine Produktion der FLEISCHEREI - in Kooperation mit Verein daskunst & VZA Unterstützt von: Kulturamt der Stadt Wien – Theater/Interkulturelle und Internationale Aktivitäten, Bezirksvorstehung 16. Bezirk VZA, Stadt Wien-Geschäftsgruppe für Integration, Frauenfragen, KonsumentInnenschutz und Personal, privaten Sponsoren. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 26 Das Projekt Die Geschichte Das „Hochzeitsritual“ behandelt die Geschichte der jungen Österreicherin türkischer Herkunft, Zeynep. Zeynep ist 18 Jahre alt und muss nun heiraten, wie es ihr Vater und ihre Verwandten bestimmt haben. Dieser Lebensweg wurde von den Eltern für sie vorbestimmt, darauf wurde sie vorbereitet. Ihre österreichische Stiefmutter Monika musste die Erziehungsvorstellungen ihres türkischen Vaters umsetzen und beibringen, was ein türkisches Mädchen nach traditionellem Verständnis (der Männer) wissen muss… Hassan, der Vater der Braut, ist ein 41-jähriger Gastarbeiter und guter Automechaniker, der vor ca. 20 Jahren aus Anatolien (Tokat) nach Österreich kam. Er ist geschieden und hat seine Tochter Zeynep mit 5 ½ Jahren nach Österreich geholt, damit sie „beim Papa“ aufwächst. Nach seiner Migration hat er sehr schnell Monika geheiratet und damit Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung und letztendlich die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen (früher war das leichter als heute). Seine Frau Monika versucht efrig, sich in die türkische Kultur zu integrieren; ab und zu trägt sie sogar ein Kopftuch. Sie ist eine gute Hausfrau und eine gute Stiefmutter für Hassans Tochter. Zeynep ist ein zerrissenes Mädchen. Da sie Blumen über alles liebte hat man sie nach der Pflichtschule zur Floristin ausgebildet. Ihr Deutsch ist weit besser als ihre türkische Muttersprache; wenn Sie auf Deutsch spricht, ist ihre Stimme selbstsicher, sie wirkt offen und selbstbewusst. Dagegen, wenn sie Türkisch spricht, schwindet ihr Selbstbewusstsein, sie wirkt dann ängstlich, ist unterwürfig und hat ein schlechtes Sprachniveau. Murat, Zeyneps zukünftige Ehemann, ist ein weitschichtiger Verwandter. Zeynep hat ihn ein paar Mal aus der Ferne gesehen; er hat ein Foto von ihr zugeschickt bekommen. Murat ist 22 Jahre alt und hat nach Abbruch seiner Schulausbildung nach fünf Jahren im Männer-Kaffeehaus seines Vaters zu arbeiten begonnen. Seine Zukunft sieht er in Europa: Was er in der Türkei nicht geschafft hat, wird er nun in Europa schaffen! Nicht umsonst ist seine zukünftige Ehefrau schließlich Österreicherin! Wie anderen vor ihm, wird auch Murat in Europa Erfolg haben... Die Performance Zwei kleine Gruppen, von je ca. 8-10 Mädchen und Buben (Frauen und Männer) führen die Gäste (Haremlik selamlik) getrennt in den Saal; ihre Aktionen leiten den Gestus des Eintritts in den Saal – als choreografische Erzählung mit Gesang und Bewegung. Alle Gespräche und Gesänge werden zweisprachig (auf Deutsch und Türkisch) geführt, Übersetzungen ins Deutsche werden auszugsweise auf eine Leinwand projiziert. Die Erzählergruppen von Männer und Frauen stellen für die Geschichte wichtige Familienmitglieder vor; sie bleiben getrennt. Der Komponist und Musiker Uwe Flechle begleitet das Geschehen mit seiner Live- Musik-Gruppe. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 27 Freiraum zur Selbstverständigung Im Dunkel des Raums sind verstreut Sessel aufgestellt. Die Betroffenen können dort Platz nehmen und beleuchten sich dabei punktuell mit Taschenlampen. Die Sesselzone bedeutet für die Akteurinnen „den geschützten Platz“, an dem jede/r sich aufhalten und völlig frei aus der eigenen Geschichte/Gefühlswelt erzählen kann; es ist ein theatraler Ort der Selbstverständigung, die mit dem Publikum geteilt wird. Kerzentanz Partystimmung verbreitet sich im Saal und die erste Tanzchoreographie beginnt - der sog. „Kerzentanz“, der von einem bekannten türkischen Volkstanz inspiriert ist. Mädchen stehen um die Braut herum, haben in beiden Händen Kerzen und beleuchten sie damit. Die Braut beginnt zu erzählen wie es ihr geht, wie sehr sie als kleines Mädchen von diesem großen Tag geträumt hat. Sie artikuliert ihre Ängste, ihre Trauer, ihre Neugier. Junge Männer stehen um den Bräutigam herum, haben in beiden Händen Kerzen und beleuchten damit den Bräutigam. Sie bereiten ihn vor für das große Fest. Da er kaum ein Wort Deutsch spricht, erzählt er seine Geschichte auf Türkisch. Er ist endlich in Europa gelandet – nun werden seine Träume in Erfüllung gehen… Henna-Ritual Die Szene wird mit dem traditionellen türkischen Henna-Ritual beendet. Die jungen Männer rollen einen Teppich in der Mitte des Raumes aus. Eine kleine Gruppe älterer Frauen (Mütter, Freundinnen, Monika ist auch dabei) bringen ein riesiges Tablett mit roter Henna. Braut und Bräutigam werden in der Mitte zusammen geführt – mit Begleitung von Frauengesang beginnt das Hennaritual. Schwarze Linie 1 Plötzlich findet ein Stimmungs- und Lichtwechsel statt. Unter einem punktuellen Scheinwerfer sitzt eine ältere Dame in Halbmaske auf einem schwarzen Sessel. Sie beleuchtet mit einer Taschenlampe ihr Gesicht und erzählt von ihrer eigenen „Zwangsheirat“. Mit 14 Jahren wurde sie von ihrem Vater mit einem 50jährigen Mann verheiratet. Als dessen dritte Frau war die Heirat primär eine geschäftliche Familien Angelegenheit. Sie erzählt über das Ritual der Hennanacht und über ihre Jungfräulichkeit… Volles Saallicht. Musik. Henna wird zu den Gästen gebracht und angewendet. Partystimmung, die Gäste werden von der Gruppe junger türkischer Frauen und Männer zum Tanz aufgefordert. Nach einer Weile – nachdem alle schon ein wenig getanzt und geschwitzt haben – wird die Stimmung lockerer... Schwarze Linie 2 Ein markanter Lichtwechsel markiert die Zäsur zur zweiten Erzählung der Frauen: auf einem Sessel sitzt eine jüngere Frau in Halbmaske. Sie erzählt davon, warum ihr keine Wahl bleibt, wenn ihre Familie sie verheiraten will - und darüber, welche Druckmittel gegen sie eingesetzt werden. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 28 Saallicht. Die jungen Frauen und Männer spielen mit zwei Puppen (Braut und Bräutigam) Hochzeitsspiele. Schwarze Linie 3 Ein Mädchen, das in Österreich geboren wurde, sitz auf einem der Sessel. Ihre Leben - in der Familie zuhause und in der Schule - sind zwei völlig getrennte Welten. Sie will nicht heiraten, sie möchte studieren, zumindest will sie nicht zur Zwangsheirat gezwungen werden. In ihren Augen ist sie „ein anderes türkisches Mädchen“. Sie redet munter drauf los, lässt ihrem Hass auf ihren Vater, den Bruder und die Kulturlosigkeit der türkischen Männergesellschaft freien Lauf. Also, sie hat beschlossen, dass… Hochzeitsgeschenke Das Licht im Saal geht an. Ein Mann hält ein Mikrophon in der Hand und verkündet die nun einsetzende zentrale Phase der Hochzeitsgeschenke des Brautpaars. Währenddessen gibt es kurze Nebengespräche unter den Gästen. Man kann dem Brautpaar alles wünschen und schenken, man muss sich aber zum Mikrophon trauen. Und tatsächlich kommt das größte Geschenkpaket von engen Freunden… Das Riesenpaket zieht die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Man macht Witze über das „Geheimnis“ dessen, was da wohl drin stecken mag... Braut und Bräutigam werden ebenso neugierig, nur sind die gerade nicht so wichtig. Plötzlich verschwindet die Braut in dem riesigen Paket - und keiner merkt es. Braut und Bräutigam werden zum Hochzeitstanz aufrufen. Plötzlich bricht eine Panik aus: die Braut ist weg. Auf Ihrem Sessel sitzt nur eine Puppe… Das Ende der Performance ist eine Überraschung! © Archiv Emel Heinreich „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 29 Biografien Emel Heinreich (A/TR) Schauspielerin, Maskenkünstlerin, Bewegungspädagogin Geboren in der Türkei. Heinreich lebt seit 20 Jahren in Wien und absolvierte hier eine Ausbildung für Schauspiel und Körperarbeit. Danach arbeitete sie 2 Jahre im Odeon Theater. In Paris arbeitete sie mit Ariane Mnouchkine am Théâtre du Soleil. Für 2 Jahre ging sie nach Ostasien um dort Maskentheater und Maskentänze zu studieren. Infolgedessen produzierte sie ihr eigenes balinesisch-österreichisches Theaterstück „Mimpi Manis“ (1998/99). Seitdem immer wieder Arbeiten an verschiedenen Produktionen der freien Theaterszene im In- und Ausland. 2005 Konzept für das intrkulturelle Projekt „Yigdrasil“ für Wien. War mehrfach im PROJEKT THEATER STUDIO tätig, zuletzt als Workshoptrainerin und als Schauspielerin in der Produktion „HERZ.angst“ nach Texten von Else Lasker Schüler und Marlene Streeruwitz (2005). Asli Kislal (A/TR), Regissuerin, Schauspielerin, Jugendbetreuerin Gründerin & Künstlerische Leiterin des Theatervereins daskunst 20. Mai 1970 in Ankara/Türkei geboren, 1979 - 1989 in Istanbul aufgewachsen, 1989 mit 4 Koffern und 2000 Schilling in der Tasche nach Wien gekommen, 1989 - 1995 nach einen kurzen Kampf mit der Deutschen Sprache Studium auf der SoWi Wien, Soziologieabteilung intensiv besucht und danach... Ausbildung: Schauspielstudium am Franz Schubert Konservatorium Wien, Tanztheater-Workshops mit Nigel Charnock, Saskia Hölbling, Jari Karttunnen ( Wien ,Finnland), Schauspielseminar mit Sygmund Molik (Grotowsky System). Berufliche Tätigkeit: Seit 1991 Engagements in Wien und Klagenfurt. Langjähriges Ensemblemitglied des Theaterhauses Stuttgart, Zusammenarbeit mit internationalen Regisseuren: George Isherwood (USA), Alexander Kubelka (AUT), Stephan Bruckmeier (AUT, D), Rafael Spregelburd (ARG), Mehmet Asa (TR), Werner Schretzmeier (D), Andrei Kritenko (U), Arne Nannestad (UK); Physical theatre coaching in Finnland Hanko (“Sommer Dance School”). Organisation von Jugend-, Tanz- und Theatergruppen. 1995 Preis für die “Beste Jugendtheatergruppe Österreich” (Echo-Theatergruppe). Vertreterin Österreichs beim “Youth dance & youth theatre” (Workshop in Wales). Theaterworkshops in u.a Düsseldorf, Stuttgart, Wien, Rom. 2006- dritte produktion mit daskunst „No Mans Land“ (regie, dramaturgie, produktion, bühnenadaption); 2005 -Gründung des Theatervereins „daskunst“, 2004 - „Unterwegs“ musikalische Reise in einen orientalischen Traum, Erzählererin, Schauspielerin, Mitinitiatorin, Auftritte bei verschiedensten Festivals in Österreich; 2000 - 2003 im Ensemble des Theaterhauses, Stuttgart Eva Brenner (A/USA) Regisseurin, Bühnenbildnerin, Filmschaffende, Autorin, Theaterwissenschaftlerin Nach Engagements in Deutschland und der Schweiz Umzug nach New York City, dort Studium und Unterrichtstätigkeit von 1980 – 1993, Ph.D. an der New York University unter Richard Schechner (Heiner Müllers „Hamletmaschine“). Ab 1990/91 Leitung des PROJEKT THEATERs / Wien - New York, einer internationalen Gruppe für Experimentaltheater und Performance mit Sitz in Wien. 1995 Gründung von ACT NOW/Theater Arbeit in Wien, 1998 Gründung des PROJEKT THEATER STUDIOs Wien. Seit 1994 Regiearbeiten in Österreich (ua. Wiener Festwochen, Stadttheater Klagenfurt, Schauspielhaus Wien); zuletzt „Es Weiss ja Jeder“ von Ingeborg Bachmann, „POLA“ von Hanna Krall, „SKANDALON : STILLE“, Performance mit Musik nach Werner Schwabs Handwerktexten, Literaturhaus Graz, Koproduktion mit „Graz 2003 – Kulturhauptstadt Europas“ sowie PROJEKT THEATER STUDIO, Wien, „Auf diesem Dunkelnden Stern“ mit Texten von Ingeborg Bachmann (UA, Dublin, Trinity College), Mai 2004, „FLEISCH_Rezitation 1“, Ko-Regie Herbst 2004, FLEISCHEREI, Wien. Frühjahr 2005 „HERZ.angst“ (Regie) nach Texten von Else Lasker- Schüler & Marlene Streeruwitz. Aktivistin der Theaterproduktion HERZ.stücke nach Texten „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 30 von Heiner Müller, FLEISCHEREI, Oktober-November 2005. Regisseurin von ÖDIPUS_geschichten nach Heiner Müller (März / April 2006, FLEISCHEREI und Gasthaus Adlerhof), Ko-Künstlerische Leitung ILeMouvante / Ateliers Internationaux des Arts Contemporains (Sant’ Antonio / Korsika) seit 2004 sowie Leitung des SCHIELEwerkstattFESTIVALs Neulengbach / NÖ seit 2002. Konzeptentwurf für ein neues experimentelles, integratives und partizipatives Arbeitsmodell „THEATER OF EMPOWERMENT“ für die FLEISCHEREI und den öffentlichen Raum. Andreas Pamperl (A) Bühnenbildner, Lichtdesigner, Dokumentarfilmer Geb. 1963 in Vorau. HTL für Elektrotechnik, 1989-1996 Aufbau und Leitung des Kulturzentrums "experiment junge kunst". Studium der Publizistik, Kameraausbildung. Technische Leitung im Theater des Augenblicks (1996-2002). Raumgestaltung, Lichtdesign und Bühnenbilder für viele österreichische und internationale Theater- und Tanzgruppen, u.a. Österreichisches Theater/Robert Quitta, Editta Braun Company, TangoPlus , Workcenter of Jerzy Grotowski and Thomas Richards, KONTEXT EUROPA Wien, Central Europe Dance Kopenhagen. Dokumentarfilme u.a.: „De memorie d’Homme“, Theatre National de Toulouse/Frankreich, „Bones“, Anita Kaya/Wien. Seit 2003 Mitarbeit im PROJEKT THEATER STUDIO, seit 2004/05 Ko-Künstlerische Leitung der FLEISCHEREI. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 31 7. FLEISCHEREI_mobil – Rückblick 2006 … gelebte Geschichte von MigrantInnen in den Bezirken … … auf der Suche nach neue Verkehrsformen des Lebens … Soziotheatrale Pilotprojekte: Interaktive Alltagsrituale, mediale Installationen, Kunstaktionen, Prozessionen, Musik, Diskussion, Essen & Trinken in Gaststätten des 7., 8. & 16. Bezirks zum Thema „Migration&Integration“ Texte & Textzitate: Elfriede Jelinek (A), Magad Woitzuck (A), Charles Ofoedu (NG), Orhan Pamuk (TR) & Camilo C. Antonio (SING) KuratorInnen/Regie: Emel Heinreich (A/TR), Charles Ofoedu (Nigeria), Sun Sun YAP (SING), Nuray Ammicht (A/TR) Künstlerische Leitung: Eva Brenner (A/USA), Andreas Pamperl (A) 1. „migration mondays : KITCHEN STORIES“ in der FLEISCHEREI 2. FLEISCHEREI_mobil in Gasthäusern der Bezirke (7., 8. & 16.) Im Frühjahr 2007 setzt die FLEISCHEREI das Arbeitsformat „migration mondays : KITCHEN STORIES“ [10-17] mit einer 2. Staffel wöchentlicher Open House Events fort. Seit Juni 2006 kamen über 600 Besucherinnen zu 10 theatralen „Cooking Shows“ mit KünstlerInnen und MigrantInnen aus 15 Ländern in der FLEISCHEREI zusammen. Programm „migration mondays : KITCHEN STORIES“ [1-9] 2006 Oktober 2006 09. Okt. Birgit C. Krammer (CH) & Clélia Colonna (F) 16. Okt. Agorita Bakali (GR) & Olga H. Kessaris (GR) 23. Okt. Corinne Eckenstein (CH) & Nuray Ammicht (TR) 30. Okt. Katka Csanyiova (SK) & Preeyanetr Dauth (Thai) November 2006 06. Nov. Maren Rahmann (D) & Théophile Kondolo (DR Kongo) 13. Nov. Andreas Pamperl (A) & Tofigh Ghoraischi (Iran) 20. Nov. Eva Brenner (A/USA) & Deborah Gzesh (USA) 27. Nov. Sibylle Starkbaum (A) & Abdelrahman Hawy (IRAQ) „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 32 Ab Februar 2007 begrüßt nun die österreichisch-türkische Künstlerin und Kuratorin Nuray Ammicht zahlreiche Gäste aus den Bereichen Kunst, Politik, Wirtschaft, Soziale Bewegungen und NOGs. Sie führt als Moderatorin durch die Abende, bringt sich als Sängerin und Akteurin ins Spiel und bezieht das Publikum aktiv mit ein. Türkische MIgrantInnen der 1., 2. und 3. Generation kochen eine typische Speise ihres Herkunftsortes und erzählen dabei Geschichten ihres Exils/ihrer Flucht und ihrer Lebensweisen in Wien. Die Erzählungen von Mitgliedern der Mehrheit wie auch Minderheiten (Kurden, Armenier, Aleviten) thematisieren die Rolle der Türkei im aktuellen kultur/politischen Diskurs Europas. Neben kulturtheoretischen Fragen wird der Alltag türkischer MigrantInnen in Wien über Musik - von türkischer Klassik bis Pop - und traditionelle Bräuche und Rituale erfahrbar (z.B. Brautwerbung oder „Hennanacht“). Am Ende steht das gemeinsame Essen und Trinken bei freiem Eintritt. Mit dem Schwerpunkt Türkei und türkische Migration erfährt das Arbeitsformat eine inhaltlich Konzentration und künstlerische Vertiefung. Theatrale Interventionen aus der neuen „TheaterWerkstatt“ zum Thema „Türkei“ ergänzen die Cooking-Shows, wobei das Ensemble eine Szenenfolgen nach Texten des autobiografischen Romans „Istanbul“ (2003/2006) von Orhan Pamuk (*1952), Literaturnobelpreisträger 2006, erarbeitet. Die Szenen strukturieren den Ablauf und geben Impulse für den Dialog mit dem Publikum über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Türkei in einer erweiteten EU. Das Theaterensemble des VZA unter der Regie von Emel Heinreich (A/TR) zeigt Ausschnitte aus seiner laufenden Probenarbeit: junge TürkInnen der 2. & 3. Generation erarbeiten ein theatrales „Hochzeitritual“ zum Thema Zwangsheirat, das im März 2007 uraufgeführt wird. „Seit ich denken kann, ist diese Stadt von Armut gekennzeichnet, von Untröstlichkeit über den Verfall des Reiches, von der Melancholie, die von den Überresten aus großer Zeit ausgeht. So bin ich seit jeher damit beschäftigt, diese Melancholie zu bekämpfen, oder mich dann doch, wie alle Istanbuler, ihr endlich hinzugeben.“ – Istanbul, Orhan Pamuk, S. 13 Programm „migration mondays : KITCHEN STORIES“ [10-17] 2007 Februar 2007 19. Feb. Dr. Haydar Sari (SPÖ), Leiter des Referats „Interkulturelle und internationale Aktivitäten“ im Kulturamt der Stadt Wien; Absolvent der Universität Wien, Studienrichtung Politologie und Soziologie 26. Feb. Gesichter einer Stadt: „Istanbul“ stellt sich vor! Diskussion und Kochen mit Überraschungsgästen, türkische Lieder, szenische Lesung, Performance. März 2007 05. März Nahide Kohlhofer, Büroangestellte 12. März Mag.art. Sinan Gültekin, Akademie der Bildenden Künste, Wien 19. März Sevim Gedik, Kindergartenpädagogin & Erziehungsberater 26. März Semsi Sümbültepe, Kaufmann - Pergast Lebensmittelgrosshandel April 2007 2. April: Mag. Hakan Yavas, Clown, Schauspieler und Regisseur 16. April: Dernière & Ausblick – Gäste der 7 „migration mondays“ und Mitglieder von Integrationsinitiativen sind zum Abschlussfest geladen. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 33 2. FLEISCHEREI_mobil: eine kulturelle Neubelebung der Bezirke Der ungewöhnliche Theater- und Kunstraum FLEISCHEREI hat sich in wenigen Jahren zu einem Stadtteilzentrum entwickelt, das über eine breite Vernetzung mit Kulturinitiativen, VertreterInnen sozialer Bewegungen und Aktionsplattformen der benachbarten Bezirke – auch jenseits der „gläsernen Grenze“ des Gürtels – verfügt. Neuartige soziotheatrale Arbeitsformate schaffen mit eigenwilligen künstlerischen Interventionen in Kooperation mit AktivistInnen und Grätzl-BbewohnerInnen einen lebendigen Austausch, den konventionelles Theater niemals leisten könnte! Der Lernund Handlungsort FLEISCHEREI bietet Informationen über sozial-politische wie kulturelle Entwicklungen und lädt ein zur aktiven Partizipation. Das Arbeitssformat 2 des Jahreszyklus, FLEISCHEREI_mobil, trägt auf vielfältige Weise der sozial-historischen Dimension des FLEISCHEREI-Konzepts Rechnung: der Bearbeitung der Geschichte/n beteiligter KünstlerInnen, der Geschichte des Bezirks, dem Erbe historischer Brüche sowie historischer und aktueller Migrationsbewegungen. Zentral ist die aktive Zusammenarbeit von KünstlerInnen mit ausgewählten Zielgruppen und Bürgerinitiativen – von Jugendlichen bis zu PensionistInnen, Geschäftstreibenden und MigrantInnen – , die im Grätzel leben und arbeiten. FLEISCHEREI_mobil offeriert Theater und Kunst an/in verschiedenen Geschäftslokalen, Gasthäusern und Schaufenstern, an „lebendigen“ und „un-toten“ Orten... In den Schaufenstern und auf Werbematerialien strahlt das FLEISCHEREILogo – die Skizze eines Rinds aus Mamas Kochbuch - als wirksames Signal in den Stadtraum aus. Vom Füllen der Leerstellen Mit FLEISCHEREI_mobil sollen geografische „Leerstellen“ im öffentlichen Raum neu definiert und mit innovativen Kulturangeboten symbolisch neu besetzt werden. Nach dem Motto eines engagierten „community buildings“ eröffnet FLEISCHEREI_mobil das Feld für zeitgemäße soziotheatrale Kunst- und Kulturarbeit mitten im Stadtgeschehen. Dabei dienen der 7., 8. und 16. Bezirk als erste Experimentierfelder und Lehrbeispiele. In Folge von Globalisierungsprozessen und fortschreitender Marktliberalisierung stehen bis dato florierende Lokale - von Geschäftsräumen bis zu kommunalen und kulturellen Einrichtungen - leer. Diese „Leerstellen“ gilt es durch kreative Inhalten und gezielte experimentelle Kulturarbeit neu zu füllen, damit gewachsene Strukturen und die Lebensqualität ansässiger Menschen erhalten bleiben. Aktivistische Formen soziotheatraler Arbeit stellen Plätze der Verortung und Partizipation abseits gewohnter Theaterkontexte bereit, besonders für jene wachsenden Segmente der Bevölkerung, die durch bislang gesicherte soziale Netze fallen. Ihr Alltag ist oft von Einsamkeit, Existenzangst und Rückzug geprägt. Hier kommt der alternativen Theaterarbeit jene sozi-politische Funktion zu, die sie in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verloren hat. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 34 Die KuratorInnen des Projekts seit Herbst 2006 – Emel Heinreich (A/TR), Charles Ofoedu (Nigeria) & Sun Sun Yap (Singapur) - bringen drei MigrantInnengruppen ins Visier: TürkInnen der 1., 2. und 3. Generation, AfrikanerInnen und (Ost)AsiatInnen. Diese interkulturellen Segmente stehen stellvertretend für jene MigrantInnen die in Wien leben und an demografischer und kulturpolitischer Signifikanz gewinnen. 1. Asiatische MigrantInnen im 7. Bezirk Sun Sun YAP (Schauspielerin, Sängerin) stammt aus Singapur und lebt seit 5 Jahren in Wien, wo sie nach einer Karriere als Bankerin und längeren Engagements in Asien und Europa ihre eigene Performance-Arbeit verfolgt. Innerhalb des Theaterprojekts HERZ.stücke der FLEISCHEREI im Herbst 2005 hat Yap eine 24-Stunden Aktion von Theaterszenen, Workshops mit Jugendlichen und Disksusionen mit aktiver Teilnahme asiatischer BewohnerInnen und Geschäftstreibenden des 7. Bezirks realisiert. Im Oktober 2006 inszenierte sie im Restaurant LUX eine „theatrale Hochzeit“ mit asiatischen MigrantInnen in Wien, das über 120 Menschen anzog. Ihre Arbeit integriert Theater, Tanz und Musik und wird als work-in-progress entwickelt. 2. Afrikanische MigrantInnen im 8. Bezirk Charles Ofoedu (Autor, Aktivist) stammt aus Nigeria und lebt seit über 15 Jahren in Österreich als Autor, Aktivist und Kulturinitiator in Wien. Als österreichisches PENMitglied, Essayist, Buch- und Theaterautor und Theaterregisseur hat er in Wien Projekte mit MigrantInnen und afrikanischen KünstlerInnen zu brisanten Themen wie „Migration“ oder „Abschiebung“ umgesetzt. Seine theatrale Hochzeit mit afrikanischen MigrantInnen arbeitete mit Mitteln der (Verwechslungs)Komödie, der Satire und Persiflage, um aktuelle politische und soziale Probleme von Integration auf die Spitze zu treiben. Präsentiert wurde die Verbindung zwischen einem 25jährigen Afro-Österreicher und einer etwa 70jährigen Österreicherin, die zum Zweck der Legalisierung des Afrikaners geschlossen wurde. Lustvoll verband Ofoedu Auszüge aus seinen für die FLEISCHEREI entwickelten Stücktexten “Marriage on a rope” mit improvisierten Szenen des Ensembles und junger Afrikanischer DJ-Musik. 3. Türkische MigrantInnen im 16. Bezirk Emel Heinreich (Schauspielerin, Maskenkünstlerin, Trainerin) lebt als Türkin seit fast 20 Jahren in Wien. Sie inszeniert in Zusammenarbeit mit der Theaterkünstlerin und Pädagogin Asli Kislal („daskunst“) sowie jungen TürkInnen der 2. und 3. Generation eine „theatrale Hochzeit“ im Ragnarhof 16. Bezirk. Sie fokussiert das Problem der „Zwangsheirat“, das besonders jungen TürkInnen, die in Österreich geboren sind und nun an ihnen fremde Verwandte in der Türkei verheiratet werden sollen, zu schaffen macht. Die Arbeit findet zu großen Teilen in und mit Unterstützung des Jugendzentrums VZA (12. Bezirk), wobei sich an die 20 Jugendliche – Männer und Frauen – an der zweimonatigen Workshop-Arbeit beteiligen. Emel Heinreichs und Asli Kislals Theaterarbeit artikuliert brisante soziale und kulturelle Veränderungen in den Lebenswelten der 2. und 3. Generation von TürkInnen in Wien ab. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 35 8. Das VZA: Jugend– und Kulturzentrum in Meidling Der Verein Zentrum Aichholzgasse wurde 1985 gegründet. Seither gab es verschiedene inhaltliche Schwerpunktsetzungen (Theaterkistl, Schülerzeitungszentrum, Seminare und Workshops, Schülercafé, Berufsorientierung, Lehrlingsbetreuung, etc.). Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Hauptaufgabe des Vereins – die Unterstützung von Jugendlichen – durch die Geschichte des VZA. Im VZA (auch Kistl genannt), haben sich neben der Jugendarbeit noch zwei weitere wichtige Bereiche etabliert. Die Berufsorientierungskurse und die Theaterarbeit (Theaterkistl). Seit 1993 konzentriert sich die Jugendarbeit des VZA auf die Zielgruppe von sozial sowie emotional und finanziell benachteiligten Jugendlichen, sowie auf Jugendliche, die aufgrund ihrer Herkunft in die vorher genannten Bereiche gedrängt werden. Leitbild Das VZA versteht sich als Haus, das jungen Menschen in ihrem Lebensweg aktive Unterstützung, aber auch kreative Anregung bieten möchte. So sehen wir unseren Bereich der Jugendarbeit als Angebot, sich in einem geschützten Raum zu erproben. Auch ist das Jugendcafé ein wichtiger Knotenpunkt für die Sozialkontakte vieler Jugendlicher aus Meidling und Wien. Im VZA soll gedacht, gelacht, kennen gelernt und mitgeteilt werden, auch getanzt und gefeiert, gleichwie diskutiert und thematisiert. Unser Team will hierbei als betreuende Unterstützung auftreten, mit großer Bereitschaft, sich der Probleme und Fragen der Jugendlichen anzunehmen, aber auch selber durch pädagogische und kreative Angebote Impulse hinsichtlich einer selbst bestimmten, freieren aber auch verantwortungsvollen Entfaltung der individuellen Fertigkeiten stiften. Uns ist es dabei bewusst, dass vieles von einem vertrauensvollen Klima abhängt, Respekt und gegenseitige Toleranz sind also ebenso wichtig, wie das Stärken der Erfahrung, willkommen und angenommen zu sein. Auf dieser Grundlage müssen Grenzen ebenso thematisiert werden, die Idee eines geschützten Raumes allerdings erlaubt es, in unserer Gesellschaft unüblichere Wege der Konfliktlösung zu beschreiten. Wichtig ist uns der Dialog mit den Jugendlichen, der jedoch auch von einem großen Vertrauen in das Interesse getragen wird, die eigene Lebensqualität zu erweitern und dies folglich auch anderen zuzugestehen. Eigenverantwortung und Freiheit spielen „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 36 bei uns ebenso zusammen wie Courage und Rücksicht. Diese Aspekte in auch spielerischer Weise zu vermitteln, ist uns ein großes Anliegen. Denn neben den in Diskussionen oder durch vorhandene Krisen thematisierten Beiträgen zur Identitätsstiftung (s. auch Methoden&Ansätze) ist es uns auch wichtig, nicht erst im Anlassfall zu wirken, sondern bereits präventiv darauf hinzuweisen, dass das Leben trotz seiner vielfältigen Herausforderungen lebenswert ist – und auch genussvoll erfahren werden soll. Auch widerspiegelt sich dieses Bekenntnis zur Vielfalt in unserem Bemühen um gelebte Integration! Jugendarbeit Die Jugendarbeit des VZA umfasst ein weites Spektrum an Angeboten, mit denen auf die Bedürfnisse unserer Jugendlichen reagiert werden soll. Zum einen ist dies der reguläre Betrieb (s. Öffnungszeiten), in dem wir im Jugendcafé einen sozialen Treffpunkt anbieten, in dem die Jugendlichen einen geschützten Raum aufsuchen und annehmen können. Auch findet in diesem Betrieb eine intensive Beziehungsarbeit statt, unsere BetreuerInnen bemühen sich mit viel Anteilnahme und Erfahrung, bei Problemen und Fragen mit Hilfe und Rat zur Seite zu stehen. Zu diesem Zweck gibt es neben dem Jugendcafé auch ein gemütliches Besprechungszimmer, denn manche Gespräche brauchen Vertrautheit im kleinen Rahmen. Da viele der Probleme aber auch die Arbeitssituation betreffen, haben wir zudem einen Journaldienst eingerichtet. Wir unterstützen dann bei der Jobsuche oder dem Verfassen eines Bewerbungsschreibens, natürlich können hier aber auch intensive Beratungen zu Problemen in der Familie oder in anderen Beziehungen stattfinden. Ein Anliegen ist außerdem die aufsuchende Jugendarbeit. Die MitarbeiterInnen des VZA sind daher regelmäßig in Caféhäusern, Wettbüros, Büchereien und den Sportkäfigen am Gürtel unterwegs, um vor Ort Hilfestellung anzubieten. Dieses Angebot wird auch dankbar angenommen, was schon allein die Tatsache zeigt, dass wir jedes Mal sehr herzlich empfangen werden. Denn es sind auch nicht immer Probleme zu besprechen, allein die Unterhaltung und das Interesse für den Lebensalltag der Jugendlichen sind bereits Teil einer gelungenen Jugendarbeit. So ist es auch nicht erstaunlich, dass wir in unserem Angebot neben der Bereitschaft zu Rat auch ein großes Engagement zur Tat aufweisen: so gibt es in unseren Betrieben regelmäßig kreatives Programm oder inhaltliche Diskussionen. Meinungsbildung und die Stärkung des persönlichen Selbstwertgefühls erscheinen uns als wesentliche präventive Maßnahmen, damit manche Probleme gar nicht erst entstehen müssen. Neben der geschlechtssensiblen Arbeit am Mädchentag oder beim Burschentreff haben wir somit auch einen Club eingerichtet, bei dem sich die Gruppen kreativ und inhaltlich mit ihrem Rollenverständnis auseinandersetzen und ihre Ausdrucksfreude umsetzen können. Das Zusammenspiel von helfender Unterstützung und Stärkung der eigenen Kompetenzen bilden ein wesentliches Fundament unserer Arbeit. So hoffen wir, zu einem rücksichtsvollen, verständnisvollen, verantwortungsvollen aber auch freieren Miteinander unserer Jugendlichen beizutragen. Dabei motiviert uns auch das Bekenntnis zu gelebter Integration: denn jede/r ist besonders und wird ernst genommen. Dies verlangt aber auch die Verantwortung, ebenso die Grenzen der anderen zu respektieren. Unsere Jugendarbeit bemüht sich somit um eine entspannte, interessierte Atmosphäre, in der sich niemand schlecht fühlen muss dafür, wer er/sie ist. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 37 Zielgruppe Zielgruppe des VZA sind sozial sowie emotional und finanziell benachteiligte Jugendliche, sowie Jugendliche, die aufgrund ihrer Herkunft in die vorher genannten Bereiche gedrängt werden. Ca. 90 % der Jugendlichen im VZA sind Jugendliche der zweiten und dritten Generation von Zuwandererfamilien hauptsächlich türkischer Herkunft. Aber auch Jugendliche, deren Eltern aus dem ehemals Jugoslawischen Raum, sowie aus Albanien, Armenien, Ägypten, Chile wie auch dem Asiatischen Raum stammen, sind im VZA vertreten. Circa 70 % der Jugendlichen sind gemäß ihrer Staatsbürgerschaft ÖsterreicherInnen, viele von ihnen sind auch in Österreich geboren. Nahezu allen ist gemeinsam, dass sie den größten Teil ihres Lebens in Österreich verbracht haben, ihre Schulpflicht hier absolvieren bzw. absolviert haben und in Wien aufgewachsen sind. Die BesucherInnen des JuniorInnenbetriebes sind zwischen acht und vierzehn Jahren, die BesucherInnen der Jugendbetriebes sind zwischen fünfzehn und zwanzig Jahre alt. Etwa vierzig Prozent der BesucherInnen sind Mädchen. Methoden & Ansätze Im VZA kommen unterschiedlichste Methoden zur Anwendung, um die Ziele der offenen und aufsuchenden Jugendarbeit zu verwirklichen. Unsere zentralen Grundlagen, um die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen, sind Prävention, geschlechtssensible Arbeit, Integration, Erlebnispädagogik und Öffentlichkeitsarbeit. Asli Kislal, Jugendbetreuerin Asli Kislal (A/TR), ist Jugendbetreuerin, Schauspielerin, Regissseurin und Künstlerische Leiterin der Theatergruppe daskunst; sie ist seit Anfang Oktober 2004 im VZA tätig. Durch ihre Kompetenzen wurde es wieder möglich, im VZA eine von den Jugendlichen selbst getragene Theatergruppe zu installieren. Hier wird unter Kislals inspirierender Betreuung mit spielerischen Improvisationen der Mut zur Selbstdarstellung geweckt. Einige Jugendliche bearbeiten mittlerweile konstant auch Theatertexte und arbeiten darüber hinaus an der dramaturgischen Entwicklung eigener Handlungsvorschläge. Diese Theatergruppe wird voraussichtlich im Sommer 2007 den Abschluss ihrer Arbeit mit einer Theateraufführung präsentieren. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 38 9. Manifest FLEISCHEREI 2006 „ T h e a t e r o f E m p o w e r m e n t “ Theater der Partizipation&Emanzipation Pilotprojekt für ein soziotheatrales Arbeitsmodell in Wien In Antwort auf die Globalisierung und daraus resultierende Prozesse der Prekarisierung von Arbeit sowie Sozial- und Demokratieabbau setzt das neue künstlerische Team der FLEISCHEREI auf die Entwicklung soziotheatraler Arbeitsformate und Realisierungspraxen im öffentlichen Raum. In den Auslagen des ehemaligen Kolonialwarenladen aus dem vorvorletzten Jahrhundert wird mit Modellen eines erweiterten Theaterbegriffs experimentiert, wird avantgardistische Theaterarbeit aus dem Ghetto elitärer Hochkultur auf die Strasse geholt und ein neues Publikum angesprochen. In nur 2 Jahren hat sich die FLEISCHEREI durch den Dialog mit dem „Grätzel“, mit lokalen Organisationen, Gewerbetreibenden und neuen sozialen Bewegungen als Begegungszentrum mitten im 7. Bezirk etabliert. Interdisziplinäre KünstlerInnen entwerfen site-spezifische Theaterprojekte, die neue Schnittstellen zwischen Kunst und Leben aufsuchen, zum Diskurs, zur Partizipation und zum fröhlichen Protest gegen den Verlust kreativer Freiräume einladen. Zu ersten erfolgreichen Experimenten zählten die theatrale Prozession FLEISCH_Rezitation entlang der Burggasse, im Gasthaus Adlerhof über „Mobbing am Arbeitsplatz“ und neues Nomadentum (2004), eine Else Lasker-Schüler Performance zum Thema „Orientalismus“ mit neuen Texten von Marlene Streeruwitz sowie die Marathon-Theateraktion HERZ_stücke (2005) anlässlich des 10. Todestages von Heiner Müller. Das Müller-Happening zog ca. 1000 Menschen während 10 Tagen und 10 Nächten an, wo 240 Stunden lang in der FLEISCHEREI gespielt, gelesen, diskutiert und für alle Anwesenden gekocht wurde. Seit Herbst 2006 finden jeden Montag Abend bei freiem Eintritt in der FLEISCHEREI theatrale Cooking-Shows mit KünstlerInnen und MigrantInnen (bisher aus 14 verschiedenen Ländern) statt, die Speisen ihres Herkunftslandes kochen und dabei Geschichten ihres Exils erzählen. Das Experiment wird ergänzt von theatralisierten „interkulturellen Hochzeiten“ in Gasthäusern des 7., 8. und 16. Wiener Gemeindebezirks. Drei Gruppen von MigrantInnen stehen aktuell im Mittelpunkt: AsiatInnen, AfrikanerInnen und TürkInnen. Über 700 Menschen nahmen seit September 2006 an diesen Aktionen teil. Entwickelt werden soziotheatrale Arbeitsformate und innovative Vermittlungsmethoden, die sich jenseits des Theater&Kunst-gewohnten Publikums an Zielgruppen und zunehmend marginalisierte Menschen - Jugendliche, ältere Menschen, Arbeitslose, MigrantInnen - wenden, deren Isolation an den Peripherien wie auch im Zentrum anwächst. Neue Zugänge zu Traditionen des politischen experimentellen Theaters (Improvisationstheater, Viewpoints-Arbeit, Forum- und Erzähltheater u.a.) werden mit soziologisch, pädagogisch und therapeutisch fundierten Ansätzen des „Empowerment“ (Neue Arbeit/Neue Kultur, Open Space Technologien, Soziokulturelle Animation, Familien- und Organisationsaufstellungen, Thesen der Geschenkökonomie) in Dialog gesetzt. „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009], Soziotheatrale Forschung in der FLEISCHEREI 39 Ziel des neuen Arbeitskonzepts ist die Schaffung eines „Theater of Empowerment“, das ein neues Denken und Handeln einfordert und seine Funktion als alltägliches „Lebensmittel“ wiedergewinnt. In Umkehrung des üblichen Verhältnisses von Theater und Wirklichkeit (Realitätspartikel werden von Autoren und Regisseuren in konventionelle Theaterkontexte gepresst) sucht die soziotheatrale Aktion kollektive Alltagsrituale auf um sie mit künstlerischen Interventionen neu zu deuten. Die Trennlinien zwischen Konsument und Produzent brechen auf, der Zuschauer wird zum Mitwirkenden, der öffentliche Raum (das Gasthaus, das Ladenlokal, die Verkehrsinsel...) neu besetzt. Unsere Frage lautet: kann ein neues „Volkstheater“ auf der Höhe der Zeit, kritisch und zugleich zugänglich für alle sein - ohne den Anspruch auf komplexe ästhetische Gestaltungsprinzipien aufzugeben? © 15. Januar 2007 Konzept : Eva Brenner (A/USA) Künstlerische Gesamtleitung: Eva Brenner, Andreas Pamperl (A) PR&Pressearbeit: Monika Anzelini, monika@anzelini.at Informationen: FLEISCHEREI, Kirchengasse 44, 1070 Wien, office@experimentaltheater.com, www.experimentaltheater.com
