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Die beiden Grundsätze der Gerechtigkeit

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John Rawls

John Rawls war der vielleicht einflussreichste normative und politische Ethiker des vergangen Jahrhunderts. Sein Buch "Theory of Justice" führte zu einem Umdenken in der Moralphilosophie. Der Abschied von der Meta-Ethik wurde eingeleitet und versucht die Ethik von ihrer akademischen Ausrichtung zu lösen. Rawls versuchte praktischer zu arbeiten und konkrete gesellschaftliche Probleme aus einer ethischen Perspektive anzugehen. Zu Ende seiner Karriere wandte er sich von der Moralphilosphie als Hauptarbeitsgebiet ab zur politischen Ethik.

Der Urzustand

Rawls wählte einen Urzustand als Ausgangsbasis für seine Überlegungen. In diesem Urzustand kennt keiner seine späteren gesellschaftlichen und materiellen Status. (Kuchenanalogie: Eine Gruppe teilt einen Kuchen gleichmäßig auf, ohne dass die Gruppenmitglieder wissen, wer später welches Stück erhalten wird.)

Rawks verwendete die nach dem 2. Weltkrieg neuen Methoden der Spieltheorie. Dabei ist sein Urzustand kein a-priorischer Ansatz. Er geht davon aus, dass die Teilnehmer schon Interessen an einer gerechten und freien Gesellschaft haben. Dabei ist eine gerechte gesellschaftlich Ordnung wichtiger als die maximale Freiheit des einzelnen.

Grundsätze der Gerechtigkeit

Rawls Grundsätze der Gerechtigkeit lauten folgendermaßen:

  1. Jedermann soll gleiches Recht auf das umfangreichste System gleicher Grundfreiheiten haben, das mit dem gleichen System für alle anderen verträglich ist. ("Meine Freiheit endet an der Grenze zur Freiheit des anderen")
  2. Soziale und wirtschaftliche Ungleichheit sind so zu regelen, dass sie sowohl
* den am wenigsten Begünstigsten, die besten Aussichten bietet
* Ämter und Positionen allen chancengleich offen stehen.

Gerecht ist eine Verteilung, in der die Ärmsten am besten gestellt werden - und zwar absolut, nicht relativ. Das Verteilungmodell, in dem das am schlechtestens gestellte Individuum den meisten Wohlstand hat ist nach Rawls also das gerechteste. Das macht aber nur in einer Gesellschaft Sinn, in der eine solche Verteilung überhaupt notwendig ist, weil es Individuen gibt, die unter dem Existenzminimum leben. Rawls möchte benachteiligte Individuen fördern und ihre Chancengleichheit ermöglichen, aber ist gegen Lösungen wie etwa eine Quotenregel für benachteiligte Gruppen (wie es sie etwa in den USA für Schwarze gibt). Auch einen Ausgleich für naturgegebene Vor- und Nachteile (Intelligenz, Behinderung, gutes Aussehen) sieht seine Ethik nicht vor.

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