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John Rawls

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John Rawls

John Rawls war der vielleicht einflussreichste normative und politische Ethiker des vergangen Jahrhunderts. Sein Buch "Theory of Justice" führte zu einem Umdenken in der Moralphilosophie. Der Abschied von der Meta-Ethik wurde eingeleitet und versucht die Ethik von ihrer akademischen Ausrichtung zu lösen. Rawls versuchte praktischer zu arbeiten und konkrete gesellschaftliche Probleme aus einer ethischen Perspektive anzugehen. Zu Ende seiner Karriere wandte er sich von der Moralphilosphie als Hauptarbeitsgebiet ab zur politischen Ethik.

Rawls Ethik sollte in den 70er Jahren eine Gegenentwicklung zum Utilitarismus darstellen, der zu dieser Zeit in den USA der dominierende Ethikansatz war.

Der Urzustand

Rawls wählte einen Urzustand als Ausgangsbasis für seine Überlegungen. In diesem Urzustand kennt keiner seine späteren gesellschaftlichen und materiellen Status. (Kuchenanalogie: Eine Gruppe teilt einen Kuchen gleichmäßig auf, ohne dass die Gruppenmitglieder wissen, wer später welches Stück erhalten wird.) In einer solchen Gerechtigkeitskonzeption darf es nach Rawls keine Eigennamen geben. d.h. die Regeln dürfen sich azf einen Menschen oder ein anderes Objekt (z.B. ein Kulturgut, etwa der Eiffelturm) direkt beziehen. In der Sprache der Prädikatenlogik, kann man das auch so ausdrücken: Es darf nur Sätze mit Allquantoren geben.

Als Vorraussetzung für Gerechtigkeit sieht rawls, wie auch schon David Hume, die Knappheit der verfügbaren Güter. Wäre alles im Überfluss vorhanden, so wäre Gerechtigkeit nicht nötig. Er versteht Gerechtigkeit in aller erster Linie als Verteilungsgerechtigkeit'.

Rawls verwendete die nach dem 2. Weltkrieg neuen Methoden der Spieltheorie. Dabei ist sein Urzustand kein a-priorischer Ansatz. Er geht davon aus, dass die Teilnehmer schon Interessen an einer gerechten und freien Gesellschaft haben. Dabei ist eine gerechte gesellschaftlich Ordnung wichtiger als die maximale Freiheit des einzelnen.

Grundsätze der Gerechtigkeit

Rawls Grundsätze der Gerechtigkeit lauten folgendermaßen:

  1. Jedermann soll gleiches Recht auf das umfangreichste System gleicher Grundfreiheiten haben, das mit dem gleichen System für alle anderen verträglich ist. ("Meine Freiheit endet an der Grenze zur Freiheit des anderen")
  2. Soziale und wirtschaftliche Ungleichheit sind so zu regelen, dass sie sowohl
    • den am wenigsten Begünstigsten, die besten Aussichten bietet
    • Ämter und Positionen allen chancengleich offen stehen.

Gerecht ist eine Verteilung, in der die Ärmsten am besten gestellt werden - und zwar absolut, nicht relativ. Das Verteilungmodell, in dem das am schlechtestens gestellte Individuum den meisten Wohlstand hat ist nach Rawls also das gerechteste. Das macht aber nur in einer Gesellschaft Sinn, in der eine solche Verteilung überhaupt notwendig ist, weil es Individuen gibt, die unter dem Existenzminimum leben. Rawls möchte benachteiligte Individuen fördern und ihre Chancengleichheit ermöglichen, aber ist gegen Lösungen wie etwa eine Quotenregel für benachteiligte Gruppen (wie es sie etwa in den USA für Schwarze gibt). Auch einen Ausgleich für naturgegebene Vor- und Nachteile (Intelligenz, Behinderung, gutes Aussehen) sieht seine Ethik nicht vor.

Rawls Menschenbild

Rawls glaubt wie Hume, dass Menschen Einstellungen besitzten, die sich in

  • Meinungen / Überzeugungen (beliefs)
  • Präferenzen / Wünsche (desires)

unterscheiden lassen.

Meinungen sind Aussagen, wie die Realität unserer Meinung nach Aussieht (z.B. "Der Schnee ist weiss"). PRäferenzen sind Ziele, die wir erreichen wollen ("Der Schnell soll wieder weiss werden" - angenommen er sei vor lauter Smog schon ganz dreckig geworden). Kritiker halten diese beiden Kriterien für nicht ausreichend und fordern eine dritte Kategorie der Fähigkeiten (capeabilitys)

Der übergreifende Konsens

In der anglo-amerikanischen liberalen Ethik wird grob zwischen der Theorie des Gerechten (Theory of Justics) und der Theorie des Guten ('Theory of Good') unterschieden. Rawls hat sich zuerst mit der Theorie des Gerechten beschäftigt, um sich dann der Theorie des Guten zuzuwenden und größtmögliche Schnittmengen zwischen verschiedenen Theorien des Guten herzustellen. Der überlappende Konsens ist Voraussetzung für eine liberale, offene Gesellschaft. Toleranz für andere Personen wird vorausgesetzt. Gewalt ist untersagt, erlaubt ist nur der intellektuelle Konflikt auf Diskursbaus.

Rawls Ziel war es in möglich vielen Themenfeldern (etwa. Zerstörung der Erde durch mensch-gemachten Klimawandel) mit Hilfe verschiedener ethischer Theorien einen Konsens herzustellen. Ziel ist die Stabilität der liberalen Gesellschaft. Einbezogen hat er dabei in erster Linie Theorien säkularer Tradition, also Theorien die für sich beanspruchen auf Vernunft zu basieren.

Ein übergreifender Konsens verschiedener Theorien kann aus ethischer Position diese Positionen nicht als 'richtig' legitimieren, es kann also durchaus eine 'richtige Position' mit guten Argumenten außerhalb dieser Schnittmenge geben. Die Idee besonders konsens-fähige Positionen zu unterstützen stammt aus der praktischen Ethik. Aus meta-ethischer Sicht spielen 'Mehrheiten' keine Rolle.

Die Idee von Rawls weisst Parallelen zu Descartes Übergangsethik auf. Descartes schlägt vor, sich besonders gemäßigten Positionen, also dem 'Durchschnitt' anzuschließen, bevor man weiss was richtig ist. Dieser Ansatz weisst ebenfalls das Ziel auf, einen Konsens zu erreichen.

Gegen die Idee des überlappenden Konsens wird vorgebracht, dass die Plicht zum Konsens den Menschen Positionen aufzwingt und sie dazu auffordert sich dem Durchschnitt anzunähern. Das scheint schwer mit einem Anspruch auf persönliche Freiheit vereinbar.

Vortrag zum Overlapping Consensus: Präsentation

Modus vivendi

Als Alternative zu seinem übergreifenden Konsens schlägt Rawls noch eine formelle Methode vor, die wenigstens einen minimalen Konsens erreichen möchte: Den Modus vivendi. Hierbei soll der Konsens durch einen Abstimmungsmechanismus erreicht werden. Der Durchschnitt der Meinungen schafft in der Regel einen Konsens.

In seiner Theorie des übergreifenden Konsens möchte Rawls aber eine größtmögliche Überlappung, die mit einem solchen Verfahren nicht möglich ist. Wichtig ist ihm vor allem ein Konsens zu Fragen der Verteilungsgerechtigkeit. Nur an Stellen, an denen durch Diskurs kein Konsens erzielbar ist, sollten Abstimmungsmechanismen laut Rawls verwendet werden.

Die Frage ob ein solcher formeller Konsens überhaupt für eine funktionierende Gesellschaft ausreicht ist umstritten. Als Beispiel wird etwas die Problematik der globalen Erwärmung aufgeführt, die durch eine weltweite Abstimmung nicht gelöst werden könnte. Solche Fragen benötigen gemeinsame Ziele für das Überleben der Menschen auf der Erde.


Weitere Quellen

John Rawls in Wikipedia

A Theory of Justice in Wikipedia

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