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Einleitung

Mit dem vorliegenden Forschungsprojekt soll vorrangig der Einfluss des Informationsgebers auf Rezipienten untersucht werden. Der Untersuchung liegt die einfache Annahme zu Grunde, dass Rezipienten von Zeitungen dort erhaltene Informationen individuell anders verarbeiten. Diese Arbeit konzentriert auf zwei denkbare Einflussfaktoren des angesprochenen Verarbeitungsprozesses. Zum einen auf die Herkunft der Information, also deren Quelle. Zum anderen auf die Stärke von Autoritätsargumenten, welche die Information weitergeben.

So genannte Halo-Effekte, welche an anderer Stelle ausführlich vorgestellt werden, treten im Alltagsleben vieler Menschen auf. Sie werden umgangssprachlich als Heiligenschein-Effekt oder gegensätzlich als Teufelshörner-Effekt bezeichnet. Der Heiligenschein, als alles überstrahlendes Symbol für Reinheit und Positives, steht dabei den Hörnern des Bösen gegenüber. Ausgezeichnete oder gebrandmarkte Menschen werden, so der Volksmund, immer nach den weithin strahlenden Symbolen bewertet, eine situationsabhängige Neubeurteilung findet nicht statt. Die Annahme, dass Rezipienten von Zeitungen ebensolchen alles andere überstrahlenden Markierungen folgen, liegt nah. Verbinden nicht Zeitungslesende mit der BILD-Zeitung einen anderen Journalismus, als mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitungen? Sind die Informationen aus der konservativen Qualitätszeitung nicht prinzipiell zuverlässiger als die des Großletter-Boulevardblattes? Wird die Glaubwürdigkeit dieser Zeitungen nicht grundsätzlich unterschiedlich von den Rezipienten unterschiedlich eingeschätzt? Wie wirkt sich diese Vorabeinschätzung auf das spätere Leseverhalten aus?

Autoritäten beurteilen Menschen unterschiedlich. Für Rezipienten von Zeitungen gilt dies in gleichem Maße. Für wie glaubwürdig ein Zitierter in einer Zeitung eingeschätzt wird, hängt vor allem mit individuellen Präferenzen zusammen. Doch wenn eine Autorität zitiert wird, wie kommt ihr Einfluss auf die Wahrnehmung der Rezipienten zum Ausdruck? Schätze ich den Zitierten als glaubwürdig ein, sind dann auch die Informationen die er verbreitet automatisch für mich zuverlässiger?

Mit diesen und anderen Fragen beschäftigte sich unser Forschungsprojekt, welches im Folgenden ausführlich präsentiert und ausgewertet wird.

Problemdarstellung (Hypothesenaufstellungen/-herleitung)


Methoden

Die durchgeführte Untersuchung kann in zwei Phasen aufgeteilt werden, in eine Vorbefragungsphase und in ein Quasi-Experiment. Die Studie beruht auf einer Befragung von 96 Studierenden der vier Berliner Universitäten. Es wurden jeweils 24 Studierende der Freien Universität, der Humboldt Universität, der Technischen Universität und der Universität der Künste befragt. Die Auswahl der Studierende erfolgte durch die Erhebung einer Zufallsstichprobe. Unter zu Hilfenahme des Sampling-Point-Verfahrens wurde in den Mensen der vier Berliner Universitäten die Studierenden zufällig ausgewählt. Linksdrehend spiralförmig wurden an jedem Tisch zwei Mensagäste von jeweils zwei Interviewern befragt. Die Auswahl am Tisch erfolgte auf Grundlage des nächstanstehenden Geburtstages der Studierenden am jeweiligen Tisch. Ausgeschlossen von der Studie wurden alle Personen die keine Vollzeitstudenten zum Studienzeitpunkt waren und alle Studierenden der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Die Geschlechterzusammensetzung erfolgte zufällig. Die Befragungen erfolgten am 18. und 19 Juni 2007.

Das zweigliedrige Untersuchungsschema bestand aus einer für alle Befragten identischen Vorbefragung. Im zweiten Teil wurden die Befragten, ohne ihr Wissen, in drei unterschiedliche Gruppen eingeteilt und erhielten unterschiedliche Experimentschemas. In einer einleitenden Frage sollten die Befragten eine Aussage darüber treffen, ob sie Tageszeitungen nutzen um sich zu informieren. Diese Entscheidungsfrage unterstützte die Einstimmung auf das Untersuchungsthema. Eine zweite Sensibilisierungsfrage (siehe Anhang) befasste sich mit der Einschätzung der Glaubwürdigkeit diverser Tageszeitungen. Die Befragten sollen auf einer Skala von 1, für gar nicht glaubwürdig, bis 10, für sehr glaubwürdig, acht ausgewählte Tageszeitungen (Die Welt, Bild, Der Tagesspiegel, Frankfurter Rundschau, B.Z., Süddeutsche Zeitung, Berliner Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung) bewerten. Die Frage wurde für eine spätere Überprüfung der Reliabilität genutzt, für die Untersuchung spielte nur Einschätzung der Bild-Zeitung und der FAZ eine Rolle. Durch die Vielzahl von Zeitungen, sollten die Befragten vom eigentlichen Untersuchungsgegenstand abgelenkt werden und für das allgemeine Thema Zeitungsnutzung sensibilisiert werden. Im zweiten Teil der Untersuchung, dem Quasi-Experiment, wurden die Befragten in drei Gruppen eingeteilt. Je Universität (4 mal n=24) wurden die Befragten mit drei verschiedenen Designs konfrontiert. Je Design je Universität also n=8 Befragte. Die drei Gruppen werden im Folgenden vorgestellt. Die Kontrollgruppe erhielt zunächst eine Zeitungsmeldung („Verbotene Geliebte“, siehe Anhang) ohne Quelle welche es zu lesen galt. Im Anschluss wurde folgende Frage gestellt: „Halten Sie die Informationen aus dieser Meldung für zuverlässig?“. Zur Beantwortung sollte das bereits vorgestellte Skalenschema genutzt werden. Das gleiche Prozedere erfolgte mit einer anderen Zeitungsmeldung („Bissiger Pitbull-Besitzer, siehe Anhang). Die erhobenen Daten werden im Ergebnisteil dieser Ausarbeitung aufgearbeitet. Befragungsgruppe I erhielt zunächst die bekannte Zeitungsmeldung „Verbotene Geliebte“ zum Lesen, jedoch mit der Angabe, dass diese in der FAZ veröffentlicht wurde. Nachdem die Befragten die Zuverlässigkeit mit Hilfe der bekannten Skala einschätzen sollten, erfolgte eine zweite Frage: „Halten Sie die Zeitung für glaubwürdig?“. Nach dem im Schaubild dargestellten Schema erhielten die Befragten im Anschluss den Text „Dolly Buster unterstütz den Trend zur „Designer-Vagina““, der ohne Quelle, dafür jedoch mit entsprechendem Autoritätsargument gestaltet war. Die beiden Einschätzungsfragen erfolgten wie beschrieben, jedoch mit der abschließenden Frage nach der Glaubwürdigkeit der Zitierten. Der Ablauf für die folgenden beiden Texte entsprach dem der vorangegangen. Die Befragten erhielten nun zunächst den Text „Bissiger Pitbull-Besitzer“ mit der Quelle Bild-Zeitung und den entsprechenden Anschlussfragen und zum Abschluss den Text „Miami lässt Sexualverbrecher unter der Brücke hausen“ (siehe Anhang) mit dem Autoritätsargument in Form eines Professorenzitats und die zugehörigen Anschlussfragen fragen. Die Befragten der Gruppe II erhielten die gleichen Texte und dazugehörigen Fragen wie die Befragten der Gruppe I. Nur die Quellenangaben und Autoritätsargument wurden kreuzweise vertauscht. (siehe Grafik, siehe Anhang).

Ergebnisse

Die Ermittlung der hier angeführten Werte erfolgte mithilfe des Programms SPSS. Dafür wurden die aus den Fragebögen ermittelten Werte in eine Rohdatenmatrix eingetragen und anschließend ausgewertet.

Für die Glaubwürdigkeit der beiden Tageszeitungen ergaben sich sehr unterschiedliche und daher im Grunde erwartete Werte. Für die FAZ hat sich ein arithmetisches Mittel von 8,48 bei einem Höchstwert von 10 für die Glaubwürdigkeit ergeben. Demgegenüber steht ein Wert von 2,02 für die BILD-Zeitung. Unter Zuhilfenahme der Standardabweichung, welche 1,368 für die FAZ und 1,281 für die BILD-Zeitung beträgt, lässt sich mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit festhalten, dass dieser Unterschied signifikant ist. Die erste grundlegende Annahme hat sich demnach bestätigt, und zwar, dass die Qualitätszeitung in ihrer Glaubwürdigkeit generell höher eingeschätzt wird als das bei dem Boulevardblatt der Fall ist. Der BILD-Zeitung wurde ein Höchstwert von 6 zugeschrieben, wobei der Mindestwert 1 betrug. Für die FAZ wurde maximal der Wert 10 angegeben, und mindestens der Wert 4. Zu erwähnen sei noch, dass sechs Befragte die Glaubwürdigkeit der FAZ nicht einzuschätzen wussten und somit hier nur 90 statt 96 Werte in die Statistik eingingen. Dies hat jedoch keine Auswirkung für die Verlässlichkeit der Werte.

Der erste Text ist jener mit der Überschrift „Verbotene Geliebte“. Es ergaben sich die nachfolgenden Werte: Die Befragten der Kontrollgruppe schrieben dem Text eine Glaubwürdigkeit von 5,25 im arithmetischen Mittel zu. Die Standardabweichung beträgt 2,640 bei einer Gruppengröße von 32 Teilnehmern. Es wurden von den Befragten alle Werte von 1 bis 10 vergeben. Insgesamt liegt dieser Wert niedriger als derjenige der Gruppen, die den gleichen Text mit Quellenangabe bekamen. Dies gilt auch für den Fall, dass die angegebene Quelle eine unglaubwürdige gewesen ist, in diesem Fall die BILD-Zeitung. Hier ergab sich ein Wert von 5,63 bei einer Standardabweichung von 2,485, ebenfalls ermittelt aus den Angaben 32 Befragter. Das ganze Spektrum der möglichen Antworten wurde ausgeschöpft, soll heißen, es wurde sowohl der Höchstwert 10 aus auch der niedrigste Wert 1 vergeben. Nochmals glaubwürdiger erschien der text jenen Teilnehmern, für die er mit der Quellenangabe FAZ gekennzeichnet wurde. Es ergab sich im arithmetischen Mittel ein Wert von 6,72 und eine Standardabweichung von 2,275. Wiederum variierten die individuellen Werte zwischen 1 und 10. Damit wird für die Stichprobe die Aussage der Hypothesen bestätigt. Zum einen wird der Text als glaubwürdiger eingeschätzt, je glaubwürdiger die Quelle eingeschätzt wird. Zudem wird, ist keine Quelle angegeben, der Text als weniger glaubwürdig bezeichnet. Nun sind, um einen Schluss auf die Grundgesamtheit zu ermöglichen, die Konfidenzintervalle zu betrachten. Die Abweichungen der Mittelwerte voneinander lassen sich zwar als Punktmessung festhalten, ermittelt man dagegen die Konfidenzintervalle, so lässt sich nicht von signifikanten Unterschieden sprechen. (s. Abb.1) Die Intervalle überschneiden sich, so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Werte der Grundgesamtheit im Gegensatz zu den Stichprobenwerten gleich sind. Diese Aussage bezieht sich auf Konfidenzintervalle mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5%. Zusammenfassend für den ersten Text lässt sich demnach festhalten, dass in der Stichprobe zwar Unterschiede bestehen, diese aber nicht als signifikant bezeichnet werden können und daher der Induktionsschluss nicht möglich ist. Die Hypothese wird falsifiziert.

Für den zweiten Text „Bissiger Pitbullbesitzer“ ergibt sich ein ähnliches, wenn auch mit einer Besonderheit versehenes Bild: Als Mittel für die Glaubwürdigkeit dieses Textes beurteilt durch die Kontrollgruppe und daher ohne Quellenangabe ist der Wert 3,81 festzuhalten. Dieser ist weitaus geringer als jener für den ersten Text. Die Standardabweichung beträgt 2,250. Wie auch für den ersten Text haben 32 Befragte jene Beurteilung abgegeben und die Skala in ihrer ganzen Breite von 1 bis 10 ausgenutzt. Die BILD-Zeitung erhielt ebenfalls alle Werte. Die Glaubwürdigkeit des Textes wurde in Zusammenhang mit dieser Quellenangabe mit einem Wert von 4,03 eingeschätzt. Als Standardabweichung ergab sich 2,811. Alle 32 Teilnehmer der Gruppe machten hier eine Angabe. Wie die Hypothesen nahe legen, erhielt der Text den höchsten Wert für die Glaubwürdigkeit, wenn als Quelle die FAZ angeführt wurde. Das Ergebnis beträgt 5,66 bei einer Standardabweichung von 2,731. Wie bei dem ersten Text werden also die Aussagen der Hypothesen für die Stichprobe nicht falsifiziert, wobei der Induktionsschluss nur möglich ist, wenn sich die Konfidenzintervalle nicht überschneiden. Dies ist unglücklicherweise teils der Fall. (s. Abb.2) Eine Besonderheit muss jedoch für den zweiten Text beachtet werden. In diesem Zusammenhang überschneiden sich zwar die Intervalle derjenigen Gruppe, der kein Quelle und derjenigen, der die BILD-Zeitung als Ursprung der Nachricht vorgelegt wurde. Das gleiche gilt für die Gruppen BILD-Zeitung und FAZ, aber die Konfidenzintervalle der Kontrollgruppe und jener, die die Glaubwürdigkeit der Quelle in dem Glauben bewertete eine Meldung der FAZ zu beurteilen, überschneiden sich – wenn auch minimal – nicht. Man könnte hier festhalten, dass die zweite Hypothese für den zweiten Text unter besonderen Bedingungen nicht falsifiziert wird. Diese müsste spezifiziert werden, und zwar in der Hinsicht, dass eine Meldung ohne Quellenangabe wesentlich unglaubwürdiger wahrgenommen wird als eine Meldung aus einer glaubwürdigen Quelle. Da bereits für den ersten Text diese Aussage nicht bestätigt wurde (auch mit den spezielleren Bedingungen), lässt sich diese genauer formulierte Hypothese jedoch nicht aufrechterhalten. Fasst man diese Werte kompakt zusammen, muss man sagen, dass die Hypothesen beide falsifiziert, solange sie nicht spezieller formuliert werden, da der Induktionsschluss nicht möglich ist. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Unterschiede in der Grundgesamtheit nicht bestehen.

Die Analyse der beiden in ihren Autoritätsargumenten unterschiedenen Texten ergibt folgendes Bild: In dem ersten Text wurde einmal Dolly Buster – im Versuch als schwache Autorität verwendet – zitiert und andererseits ein erfundener Demographieforscher eines Max-Planck-Instituts. Zunächst bedurfte es der Überprüfung, ob die jeweilige Person tatsächlich von den Befragten als glaubwürdig oder nicht glaubwürdig wahrgenommen wurde. Dies war nicht der Fall. Zwar ergaben sich für die Stichprobe im arithmetischen Mittel Werte für die Glaubwürdigkeit von 3,09 für Dolly Buster und 4,16 für den Demographieforscher, aber durch die Breite der Konfidenzintervalle ist der Induktionsschluss nicht möglich. Die Standardabweichung betrug 2,632 für erstere und 2,384 für letzteren. Dies scheint ebenso bemerkenswert wie die Tatsache, dass als Höchstwert für den Wissenschaftler 8 angegeben wurde und Dolly Buster – die Person, von der ursprünglich angenommen wurde, sie sei weniger glaubwürdig – sogar eine 10 erhielt. Bei beiden war der geringste Wert 1. Da es für diesen Teil des Experiments keine Kontrollgruppe gab, ermitteln sich die Angaben aus den Antworten von jeweils 32 Befragten.

Im Grunde ist jede weitere Untersuchung unnötig, da die Voraussetzung, die grundlegend für die Hypothese gewesen ist, nicht bestätigt werden konnte. Jedoch ergeben sich in Bezug auf den Text Unterschiede, die mit jener Vorbefragung scheinbar nicht übereinstimmen und daher betrachtet werden sollten. Der Artikel über die „Designer-Vagina“ erhielt von den Befragten in seiner Beurteilung unterschiedliche Werte, je nachdem, welche Person zitiert wurde. So wurde ihm im Mittel eine Glaubwürdigkeit von 4,50 zugeschrieben, sobald der Demographieforscher zitiert wurde. Demgegenüber lässt sich feststellen, dass sich dies auf 3,19 verringert, wird Dolly Buster als diejenige angeführt, die diesen Trend unterstützt und empfiehlt. Individuell erhielt der Text beide Male Werte von 1 bis 8. Die Standardabweichung betrug 2,463 für den Demographieforscher und 1,991 für Dolly Buster. Betrachtet man nun die Konfidenzintervalle mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5%, so kann man auch hier nicht von einem signifikanten Unterschied sprechen, da sie sich überschneiden, obwohl die Differenz der Werte größer ist als bei den Glaubwürdigkeiten der Persönlichkeiten. Der Unterschied muss nicht zwangsläufig auch in der Grundgesamtheit bestehen.

Für den zweiten Text, der sich ebenfalls mit den Autoritätsargumenten beschäftigt, wurden ein Müllmann und ein Harvard-Professor zitiert. Auch deren Glaubwürdigkeit wurde in der Vorbefragung durch die Teilnehmer eingeschätzt. Es ergab sich im Mittel für die Glaubwürdigkeit 6,00 für letzteren und 4,69 für den Müllmann, obwohl jeweils die ganze Bandbreite an Werten angegeben wurde.. Da sich hier die Konfidenzintervalle überschneiden, kann man nicht davon ausgehen, dass die Grundgesamtheit diesen Unterschied bestätigt. Auch hier wird also die Grundannahme nicht erfüllt, und zwar ist der Akademiker nicht signifikant glaubwürdiger als der Müllmann. Die weiteren Ergebnisse legen aber scheinbar nahe, dass es einen Unterschied gibt. Der Text wird glaubwürdiger gesehen, sobald der Professor als Zitierter und Autorität angeführt wird. Als Wert ergibt sich 5,22. Demgegenüber stehen 4,72 als Mittelwert im Zusammenhang mit dem Müllmann. Interessanterweise erhielt der Text verbunden mit dem Professor nicht den Höchstwert von 10. Hier konnte der Müllmann anscheinend mehr überzeugen, da mit ihm die 10 angegeben wurde. Die Standardabweichungen sind mit 2,203 für den Müllmann und 2,254 für den Akademiker sehr ähnlich. Es besteht in der Stichprobe ein Unterschied, der aber bei der Analyse der Konfidenzintervalle, die sich überschneiden, mit einer Sicherheit von 95% nicht signifikant ist und daher nicht auf die Grundgesamtheit übertragen werden kann. Wie zuvor wird die Hypothese falsifiziert.



Zusammenfassung und Interpretation

Betrachtet man die Ergebnisse, die die Studie ergeben hat, so muss jede einzelne der drei Hypothesen zurückgewiesen werden. In Zusammenhang mit der Glaubwürdigkeit der Quelle ergab sich kein signifikanter Unterschied. Obwohl die FAZ wesentlich glaubwürdiger als die BILD-Zeitung eingeschätzt wurde, ergab sich daraus nicht, dass die jeweiligen Texte dadurch eindeutig unterschiedlich beurteilt wurden. Die Konfidenzintervalle überschneiden sich, so dass der Induktionsschluss nicht möglich ist. Es kann bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% nicht davon ausgegangen werden, dass die ermittelten Werte ebenso abweichend in der Grundgesamtheit existieren. Welche Argumente sprechen nun dafür, die Hypothese nicht endgültig zu verwerfen, sondern das Design eventuell zu verändern, so dass die Ergebnisse klarer hervorgehen und eventuell sogar daher die Annahmen in den Hypothesen bestätigen? Zunächst sei gesagt, dass die Konfidenzintervalle sehr breit sind. Das liegt in der Größe der Stichprobe begründet. Mit 96 teilnehmenden Studenten aufgeteilt auf drei Gruppen lässt sich scheinbar keine allzu genaue Aussage treffen, da für jedes Ergebnis nur 32 Werte in die Berechnung eingingen. Bei einer modifizierten Wiederdurchführung muss also beachtet werden, die Stichprobe für die einzelnen Gruppen zu vergrößern, damit die Messungen an Genauigkeit gewinnen. Dieser Hinweis sei auch für die beiden anderen Hypothesen in betracht zu ziehen. Des Weiteren können diverse Dinge am Versuchsdesign verändert werden. Außer Frage steht, dass durch die Gegenüberstellung von FAZ und BILD-Zeitung zwei Zeitungen gewählt wurden, die in ihrer wahrgenommenen Glaubwürdigkeit kaum unterschiedlicher sein könnten. Die Frage, die bleibt, ist jedoch: Wurde die Quellenangabe tatsächlich ausreichend wahrgenommen, so dass der Text tatsächlich aufgrund seines Ursprungs beurteilt worden ist? Die Interviewer wiesen bei der Befragung nur nebensächlich – um den Zweck des Experiments nicht zu offenbaren – darauf hin, dass nun ein Text der BILD-Zeitung bzw. der FAZ vorgelegt werde, doch ob dies zusammen mit der Überschrift auf dem Blatt, die die Quelle auswies, genug Aufmerksamkeit bezüglich der Quelle erzeugt hat, ist ungeklärt. Teilweise schien dies eben nicht der Fall zu sein, da nach dem Lesen des Textes und seiner Beurteilung die erneute Frage nach der Glaubwürdigkeit der Quelle auftrat, was zu der Nachfrage seitens der Teilnehmer führte, welche Zeitung das denn gewesen sei, sogar obwohl das Blatt mit den Angaben noch vor ihnen lag. Dies wiederum spricht für eine verminderte Aufmerksamkeit aufseiten der Befragten. Zieht man jene Erkenntnis in die Beurteilung der zu modifizierenden Aspekte mit ein, so kann man schlussfolgern, dass eine andere Befragungssituation diesen Effekt vermindern könnte. So müsste der Ort ein anderer sein. Die Mensen bilden zwar sehr gute Punkte, um repräsentative Stichproben zu nehmen, aber gleichzeitig kann man dort nicht erwarten, konzentrierte Befragte und überdachte Ergebnisse zu erhalten. Auf der anderen Seite mag man anmerken, die Konzentration beim Lesen einer Zeitung wird sich etwa auf ähnlichem Niveau befinden. Aber der Leser einer Zeitung ist sich seiner Quelle durchaus bewusst, hat er sich doch offensichtlich in den meisten Fällen aktiv dafür entschieden. So wird also in der Alltagssituation jeder Text direkt mit dem Ursprung der Nachricht in Verbindung gesetzt, während ähnliches im Experiment scheinbar teilweise nicht geschehen ist. Das weist auf einen Fehler im Design hin. Es muss offensichtlich stärker darauf hingewiesen werden, welcher Quelle der vorgelegte Text entstammt. Die ursprüngliche Intention, dies nicht zu tun, um den Zweck der Befragung nicht offensichtlich zu machen, hat somit vermutlich einen negativen Effekt auf die Klarheit der Ergebnisse gezeitigt.


Literaturverzeichnis

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